Fritz und Paul Sarasin: Ein Forscherpaar aus Basel

Fritz und Paul Sarasin

Fritz und Paul Sarasin

Fritz Sarasin (links) und Paul Sarasin in der Studentenverbindung Zofingia. 1880-1900.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: ETH-Bibliothek Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 2030
Fritz Sarasin (links) und Paul Sarasin in der Studentenverbindung Zofingia

Fritz und Paul Sarasin waren Vettern zweiten Grades. Sie erregten im konservativen und frömmlerischen Basel einiges Aufsehen, weil sie über eine sehr lange Zeit nicht nur gemeinsam forschten, sondern auch die Wohn-, wenn nicht sogar die Bettstatt teilten. 1893 gestand Paul in einem veröffentlichten Gedichtband seine Liebe zu Fritz, was in den Familien der beiden mehr als blosses Stirnrunzeln verursachte. Sie stammten aus dem Basler "Daig" und waren so vermögend, dass sie nicht einem Broterwerb nachgehen mussten. Sie betätigten sich als Privatgelehrte, gingen zusammen auf Forschungsreisen nach Sri Lanka und Indonesien und beschäftigten sich mit Geologie, Paläontologie, Zoologie, physischer Anthropologie und Ethnologie. Sie engagierten sich auch für den globalen Naturschutz und erlangten durch ihre Tätigkeit grosses Ansehen nicht nur in Basel, sondern europaweit.

Durch ihre Reiseberichte und wissenschaftlichen Arbeiten sowie durch ihre unablässige Sammeltätigkeit brachten es Paul und Fritz Sarasin als "gentlemen scientists" (finanziell unabhängige Privatgelehrte) zu europaweit angesehenen Naturforschern. Sie wurden mit höchsten Auszeichnungen und Ehrungen aus dem In- und Ausland geehrt. Ihre Forschungsschwerpunkte lagen in der Naturgeschichte, Geografie, physischen Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte der Menschheit. Ausserdem waren sie in einem Mensch, Tier und Pflanzen umfassenden Naturschutz engagiert. Sie teilten ihre Forschungsergebnisse mit der europäischen Wissenschaft und vermachten zahlreiche ihre gesammelten Objekte Museen und Sammlungen im In- und Ausland. Sie waren in führenden Positionen und mit materieller Unterstützung mitbeteiligt bei der Entwicklung des Naturhistorischen Museums in Basel, des Völkerkundemuseums (seit 1996 Museum der Kulturen) in Basel, des Schweizerischen Nationalparks und des Basler Zoos. Von 1904 bis 1910 präsidierte Fritz die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft und von 1921 bis 1942 den Verwaltungsrat des Basler Zoos. Ab 1906 war Paul vor allem mit dem Naturschutz beschäftigt und trug massgeblich zur Gründung des Schweizerischen Nationalparks bei. Paul betätigte sich auch literarisch (Gedichte, Dramen), allerdings mit wenig Erfolg.

Josef Burri, April 2016