Mitbegründer der Weltwoche

Karl von Schumacher und Manuel Gasser

Karl von Schumacher und Manuel Gasser

Karl von Schumacher und Manuel Gasser, Zürich 1933. Auf der Brücke des Hotels Baur au Lac in Zürich.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Nachlass Gasser, ZB Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 2051
Karl von Schumacher und Manuel Gasser, Zürich 1933

Während seine journalistischen Ambitionen vorerst nicht erfüllt wurden, genoss Manuel Gasser das Leben der Grossstadt oder verbrachte lange Aufenthalte in Südfrankreich, zusammen mit Matrosen. Langsam wurden aber die Mittel knapp, und so war es ein Glücksfall, dass er im richtigen Moment, im Herbst 1932, in Paris jenem Mann begegnete, der sein künftiges Schicksal wie kein zweiter bestimmen sollte: dem Luzerner Aristokraten Karl von Schumacher. Dieser erkannte Gassers Begabung, verliebte sich (platonisch) in ihn und gewann ihn als Mitarbeiter beim Verfassen eines seiner Bücher. Gemeinsam beschlossen sie eines Tages, in der Schweiz eine Wochenzeitung nach französischem Vorbild  zu schaffen, gemeinsam zogen sie von Paris weg, zuerst nach Basel, dann nach Zürich, um die notwendigen Mittel  dafür aufzutreiben, gemeinsam entwickelten sie den Namen und das Profil der Zeitung: der Weltwoche.

Die erste Nummer erschien am 17. November 1933. Auch wenn es eine Zeitlang dauerte, bis die Zeitung Erfolg hatte: ihr Konzept war so gut durchdacht, dass sie in Auftritt, Gestaltung, Format und inhaltlicher Gliederung für mehrere Jahrzehnte so blieb, wie sie in der ersten Nummer daherkam.

Gasser war zuständig fürs Feuilleton, die Humor-Seite und die Illustration, die im Konzept der damaligen Weltwoche eher spärlich war und oft mit Zeichnungen statt Fotografien arbeitete. Von Anfang an beeindruckte (wie Karl von Schumacher in seinen wöchentlichen Leitartikeln) sein unglaublicher Fleiss und die Vielfalt der Themen, die er behandelte: Neben längeren Texten zu allen möglichen Themen schrieb Gasser immer auch Miszellen, Filmkritiken, Ausstellungs- und Buchbesprechungen.

Die meist eher nazifreundlichen Texte in den ersten sechs, sieben Jahrgängen der Weltwoche (auch Gasser schrieb im Frühling 1934 begeistert über seinen Besuch bei der Hitler-Jugend und verkehrte in Fröntler-Kreisen, also bei schweizerischen Anhängern Hitlers) kollidierten mit Gassers Freundschaften zu Emigranten, allen voran Klaus Mann, der in verschiedenen Anläufen versuchte, Gasser die Augen zu öffnen.

David Streiff, Januar 2017