Sodom und Gomorra

Die Geschichte

Sodom

Sodom

Lot flieht aus Sodom. Aus Julius Schnorr von Carolsfeld: Die Bibel in Bildern 1860. Veröffentlicht in 'hey' 12/1982. Aus Julius Schnorr von Carolsfeld: Die Bibel in Bildern 1860. Veröffentlicht in 'hey' 12/1982.

Urheber
Künstler: Julius Schnorr von Carolsfeld
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© erloschen
Sammlungs Nr.
ID: 0004
Lot flieht aus Sodom

Die Bibel erzählt die Geschichte von Sodom und Gomorra in den Kapiteln 18 und 19 des ersten Buches Mose. In Kp.18, Vers 20 heisst es "ihre Sünde, die ist gar schwer" (Zwingli) oder "ihre Sünden sind sehr schwer" (Luther) - ohne Angabe, worin diese "Sünden" bestehen. In Kp.19, Vers 4 und 5 ziehen "die Männer von Sodom, jung und alt, alle insgesamt" (Zwingli) oder "die Leute der Stadt Sodom, jung und alt, das ganze Volk aus allen Enden" (Luther) vor das Haus des Lot, denn Lot hat zwei ihn und seine Familie besuchende Männer im Haus. Die Leute fordern, er solle die beiden ausliefern, "dass wir ihnen beiwohnen" (Zwingli) oder "dass wir sie erkennen" (Luther). Die Gäste Lots sind zwei Engel Gottes. Offensichtlich sollen sie sexuell missbraucht werden. Bei Zwingli im homosexuellen Sinn, bei Luther gehören zum "ganzen Volk" sicher auch Frauen, also wäre zusätzlich ein Missbrauch im heterosexuellen Sinn nicht auszuschliessen.

Um die traditionelle Ehre der Gastfreundschaft zu retten, schlägt Lot einen Kompromiss vor. Er will den Leuten seine beiden noch jungfräulichen Töchter statt der Gäste zur Verfügung stellen. Das wird jedoch abgelehnt. Nun bringen die Engel Lot und seine Familie in Sicherheit, während Gott hinter ihnen Sodom und Gomorra mit "Schwefel und Feuer" total zerstört "mit allen Einwohnern und was auf dem Lande gewachsen war" (Zwingli und Luther). Auf der Flucht blickt Lots Frau verbotenerweise zurück und erstarrt zur Salzsäule (Verse 24 bis 26). Kaum sind sie an einem unversehrten Ort angekommen, begeben sich die beiden Töchter zu ihrem Vater, machen ihn betrunken und lassen sich in den nächsten beiden Nächten von ihm schwängern (Verse 30 bis 38).

Warum der strafende Gott die Preisgabe von Leib und Ehre der Töchter duldete und bei den späteren Inzesthandlungen nicht einschritt und warum er die durch Entehrung ihrer Kinder gedemütigte und verunsicherte Mutter bestrafte, das alles bleibt unausgesprochen und ungelöst.

Ernst Ostertag, Oktober 2005