Publikationen bis 1999

1966

1966 erschien in Heft 5 der Monatszeitschrift Studium Generale im Springer-Verlag Berlin ein Aufsatz von F. Schutz: "Homosexualität bei Tieren". So berichtete Der Kreis in seiner Nummer 6/1966.

1978

1978 veröffentlichte Jürg Amstein unter dem Namen Jürg Ambach einen illustrierten Aufsatz "Mann zu Mann, Weib zu Weib: Nichts Neues in der Tierwelt, Homosexualität im Tierreich". Er tat es im Organ der Schweizerischen Organisation der Homophilen (SOH), dem Magazin hey 5/1978 ab S. 15. Seine Arbeit stützte sich auf die März-Nummer der rennomierten internationalen Zeitschrift für Tier, Mensch und Natur Das Tier, in welcher ein ausführlicher Artikel zum Thema "Homosexualität im Tierreich" erschienen war.

1990

1990 veröffentlichte Volker Sommer, Professor am Institut für Anthropologie der Universität Göttingen, ein Buch über seine Verhaltensforschungen im Bereich Sozial- und Sexualverhalten mit dem Titel: "Wider die Natur? Homosexualität und Evolution". In Kapitel 7 ("Wovon Verhaltensforscher häufig schweigen") berichtete er über "Homosexualität unter Tieren" und schloss auf Grund seiner Beobachtungen, dass nicht nur homosexuelles Verhalten, sondern auch homosexuelle Partnerschaften quer durch das Tierreich zu natürlichen Lebensmustern gehören und durch die Evolution nicht ausgemerzt wurden.

1999

1999 erschien das inzwischen im englischen Sprachraum zum Standardwerk gewordene umfangreiche Buch von Bruce Bagemihl: "Biological Exuberance, Animal Homosexuality and Natural Diversity" (Biologische Üppigkeit, Homosexualität im Tierreich und naturbedingte Andersartigkeit), welches auf zahllosen Ergebnissen der Feldforschung beruht und aufzeigt, dass der Sexualtrieb mit seinem Erzeugen von Lust und Entspannung in der Natur hauptsächlich dem Herstellen und Festigen von Sozialkontakten und dem natürlichen Abbau von Stress dient und nur eher zufällig auch die Fortpflanzung garantiert.

Homosexualität spielt dabei nicht nur für die meisten Säugetiere eine weit verbreitete Rolle, sie wird auch bei Vögeln, Reptilien, Fischen und sogar Insekten und anderen Wirbellosen praktiziert. Je nach Art und Gattung sind jahre- bis lebenslange gleichgeschlechtliche Partnerschaften mindestens so häufig wie bei Menschen: 5 bis 7 Prozent. Einfache homosexuelle Akte dagegen machen ebenfalls je nach Gattung und Art 40 bis 95 Prozent aller Sexualkontakte aus.

Homosexualität ist von der Evolution nie ausgemerzt worden. Sie muss ihren Sinn haben. Männliche Vogelpaare beispielsweise stehlen Eier aus den Nestern heterosexueller Paare, bauen grössere Nester und schützen ihre Jungen besser vor Feinden, weil sie stärker sind. Weibliche Paare dagegen legen nach der Befruchtung durch ein Männchen, das sie danach vertreiben, doppelt so viele Eier, brüten sie aus und übernehmen die Pflege hingebungsvoll. Homosexuelle Paare sind ebenso gute und zudem bei gewissen Tierarten erfolgreichere Eltern wie heterosexuelle Paare.

1999 gab Michael Miersch ein weniger exakt wissenschaftliches, wohl aber auf die oben angegebenen und andere ähnliche Forschungsergebnisse aufbauendes Lexikon heraus mit dem Titel "Das bizarre Sexualleben der Tiere. Ein populäres Lexikon von Aal bis Zebra".

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Ernst Ostertag, November 2006