1933-1935

Amicitia

Schweizerischer Freundschafts-Verband (SFV)

Protocoll-Buch, 1. Seite

Protocoll-Buch, 1. Seite

Erste Seite des Protocoll-Buches, 1931.

Urheber
Urheber: verschiedene
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0290
Erste Seite des Protocoll-Buches, 1931

Am 4. April 1933 fand die Gründungsversammlung des gemeinsamen "Art-Verbandes" für Frauen und Männer statt. Dabei wurden auch die von der "Zentralleitung Zürich" vorgelegten Statuten des SFV genehmigt. Mitglieder konnten alle Artgenossen und Artgenossinnen werden, die das 20. Altersjahr erreicht hatten. Mit 20 waren Mann und Frau damals volljährig; die Betrafung homosexueller Akte unter Volljährigen aber wurde landesweit erst mit der Einführung des StGB ab 1. Januar 1942 aufgehoben.

Zweck des Verbandes war

"die Pflege idealer Freundschaft, die sittliche Hebung und Bildung [...], Veranstaltung von geselligen Anlässen, sowie Schutz unserer Mitglieder",

womit nebst Vorstössen wie dem gegen die Finanzverwaltung ZH auch Vorkehrungen zum Schutz vor Erpressungen gemeint waren.

Zum Zweck gehörte an erster Stelle die Förderung des Ideals langjähriger stabiler Partnerschaften von zwei Frauen oder Männern. Ebenso zentral aufgelistet wurde aber auch der unerbittliche Kampf gegen die (männliche) Prostitution, die das Bild der Artgenossen in der damaligen Gesellschaft immer wieder mit Zeitungsberichten und Gerichtsurteilen trübte und Gründe für Erpressungsversuche lieferte.

In der Zeitschrift FB (Schweizerisches Freundschafts-Banner)1, definierte der neue Mitarbeiter Karl Meier unter dem Pseudonym Gaston Dubois das Ideal des Artgenossen noch wesentlich eindeutiger:

"Der Schweizerische Freundschafts-Verband versucht auf einer sauberen Grundlage alle anständigen Homoeroten der Schweiz zu sammeln; [...] Wir erwarten, dass jeder kultivierte Homoerot sich mit seiner Artung auseinandersetzt, dass er weiss, welches Lebensschicksal er zu bezwingen hat. Wer sich als Homoerot unglücklich fühlt, trotz der klaren Erkenntnis, dass bedeutende Männer der Weltgeschichte so empfunden haben, der ist kein Homoerot."

An der Gründungsversammlung vom 4. April wurde auch das Wiedererscheinen der Zeitschrift beschlossen, unter neuem Namen (Schweizerisches Freundschafts-Banner) und ebenfalls für Frauen und Männer. Man richtete sich bewusst an die ganze Nation.

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Ernst Ostertag, Februar 2005

Weiterführende Links intern

Karl Meier

Quellenverweise
1

Karl Meier: Schweizerisches Freundschafts-Banner, 13/1934, Seite 2.