Tabu

Homosexualität als gesellschaftliches Tabu erkennen und belassen

Heinrich Häberlin

Heinrich Häberlin

Bundesrat Heinrich Häberlin (FDP), 1868-1947 . Politische Ämter: Kantonsrat (Thurgau) von 1905-1920, Nationalrat von 1904-1920 und Bundesrat von 1920-1934 (Bundespräsident 1926 und 1931). Quelle: Graphische Sammlung, 000009659.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Zentralbibliothek Zürich (ZB)
Rechte
© ZB
Sammlungs Nr.
ID: 0352
Bundesrat Heinrich Häberlin (FDP), 1868-1947

Emil Grünenfelder (Kath. Konservativ, SG), glaubt an eine schwule Propagandamaschinerie:

"Es ist schon jetzt zu beachten, dass Männer, die dem gleichgeschlechtlichen Verkehr ergeben sind, sich zusammenschliessen, durch eigene Zeitschriften und gesellige Veranstaltungen eine rege Propaganda entfalten [...]."

Heinrich Häberlin, Bundespräsident 1931, Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements (FDP, TG), kann sich nicht vorstellen, dass jemals ein Homosexueller ein Coming-out wagen könnte:

"Wenn auch die Strafe diesen armen Leuten weggenommen wird, so bleibt nach unserer Volksauffassung die gesellschaftliche Ächtung ja doch auf ihnen lasten. Es bekennt sich kein einziger offen zu dem, was wir als Laster betrachten. Oder haben Sie schon jemand gesehen in der Schweiz offen auftreten und sagen, ich bin homosexuell? Sie werden mir keinen einzigen Menschen nennen können."

"[...] dass diese Homosexuellen sogar eine eigene Literatur besitzen. Man hat in der nationalrätlichen Kommission diese Literatur vorgezeigt, Schriften von Magnus Hirschfeld, [...]. Dieser Literatur graben wir die Existenzberechtigung ab, [...]. Sobald der Staat anerkennt, dass sie keine Verbrecher sind und sobald er sie nicht vor Gericht zieht, haben sie keine Berechtigung mehr, diese Literatur weiter zu produzieren und zu vertreiben."

Nach oben

Ernst Ostertag, Mai 2005