1930-1935

Bitteres Ende

Grab von Magnus Hirschfeld

Grab von Magnus Hirschfeld

Grab von Magnus Hirschfeld in Nizza. Cimetière de Caucade, Grab Nr. 18.543. Quelle: Gerard Koskovich, Queer Antiquarian Books, San Francisco, CA 94114-0301.

Urheber
Foto: Gerard Koskovich
Herausgeber
Besitzer: Gerard Koskovich, San Francisco
Rechte
© Gerard Koskovich
Sammlungs Nr.
ID: 3075
Grab von Magnus Hirschfeld in Nizza
Grabstein, Magnus Hirschfeld

Grabstein, Magnus Hirschfeld

Grabstein von Magnus Hirschfeld, Detail. Bronze und Beschriftung, Cimetière de Caucade, Nizza. Quelle: Gerard Koskovich, Queer Antiquarian Books, San Francisco, CA 94114-0301.

Urheber
Foto: Gerard Koskovich
Herausgeber
Besitzer: Gerard Koskovich, San Francisco
Rechte
© Gerard Koskovich
Sammlungs Nr.
ID: 3076
Grabstein von Magnus Hirschfeld, Detail

Als Jude, Sozialist, Homosexueller, international anerkannter Wissenschafter und Sexualforscher sowie Kämpfer für die Abschaffung des § 175 war Magnus Hirschfeld natürlich ein Hassobjekt ersten Ranges für kleinkarierte Bürger aller Art und ganz besonders für alle Nazis, von deren Schlägertrupps er bereits in den späten 20er-Jahren auf offener Strasse angegriffen und verletzt worden war. Durch den wachsenden Einfluss dieser Leute noch mehr verunsichert, entschloss er sich zum Verlassen Deutschlands. 1930/31 begab sich der 62-Jährige nach einer Vortragstour durch die USA auf eine Weltreise. Er besuchte während anderthalb Jahren Japan, China, Indien und den Nahen Osten, hielt 176 Vorträge und wurde allerorts hoch geehrt. Denn er war offen für die zu Unrecht Unterdrückten, frei von europäischen Überheblichkeiten und Vorurteilen, und er nutzte die Aufenthalte für Studien aller Art. Über diesen Menschen hatte Hitler gesagt:

"Das, was dieser Schweinejude feilbietet, bedeutet gemeinste Verhöhnung des Volkes."

1932 kehrte Hirschfeld nach Europa zurück, aber nicht nach Deutschland, sondern in die Schweiz, die er schon früher oft bereist hatte. Später wählte er Frankreich als Exil. In Frankreich wollte er sein Werk neu aufbauen und fortsetzen. Er lebte dort mit seinen beiden Freunden, Karl Giese und dem Chinesen Li Shiu Tong, der besser unter seinem Pseudonym Tao Li bekannt ist. Er war im Fernen Osten zu Hirschfelds ständigem Begleiter geworden. Ein Jahr später erschien der umfassende Bericht

Weltreise eines Sexualforschers im Jahre 1931/321

Bereits 1930 hatte der "Völkische Beobachter", das von vielen nicht ernstgenommene Sprachrohr der militanten Nationalsozialisten, geschrieben:

"Da im Homosexuellen alle boshaften Triebe der Judenseele"

vereint seien, müsse man sie

"als das gesetzlich kennzeichnen, was sie sind, als ganz gemeine Abirrungen von Syriern, als allerschwerste, mit Strang und Ausweisung zu ahndende Verbrecher."

Am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler. Damit begann der Naziterror offiziell und von Staates wegen:

Februar 1933

Erlass von antihomosexuellen Verordnungen.

März 1933

Die meisten Homosexuellenlokale müssen schliessen oder schliessen freiwillig. Die Zeitschriften stellen ihr Erscheinen ein.

Mai 1933

Das Institut für Sexualwissenschaft wird geschlossen und geplündert. Nazischergen transportieren die über 20'000 Bände der wertvollen Bibliothek zum Berliner Opernplatz, wo sie am 10. Mai öffentlich verbrannt werden, darunter auch die Bücher und Schriften von Hössli und Ulrichs.

Juni 1933

Die Homosexuellenorganisationen beschliessen ihre Auflösung.

1934

Das Geheime Staatspolizeiamt (Vorläufer der GESTAPO) beginnt, Homolisten zu erstellen.

1935

Beginn der Deportation von Homosexuellen in Konzentrationslager. Einführung des verschärften § 175 und des neuen § 175a.

1935 starb Magnus Hirschfeld in Nizza. Seine Gesundheit war durch eine in Indien erfolgte Malariainfektion geschwächt. Sein Lebenswerk war zerstört.

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Ernst Ostertag, März 2004

Quellenverweise
1

Magnus Hirschfeld: Weltreise eines Sexualforschers im Jahre 1931/32. Heute als Neuauflage wieder erhältlich im Eichborn-Verlag, Frankfurt, 2006.