Pionier

Karl Heinrich Ulrichs' Grabplatte, Schriftzug

Karl Heinrich Ulrichs Grabplatte, Schriftzug

Friedhof von L'Aquila, Abruzzen. Karl Heinrich Ulrichs Grabplatte, Detail. Schriftzug. Quelle: Foto von Ernst Ostertag, 5.10.2012.

Urheber
Foto: Ernst Ostertag
Herausgeber
Besitzer: Sammlung Rapp und Ostertag
Rechte
© Ernst Ostertag
Sammlungs Nr.
ID: 3020
Friedhof von L'Aquila, Abruzzen. Karl Heinrich Ulrichs Grabplatte, Detail

Im Vorwort zur Neuausgabe der Schriften Ulrichs, herausgegeben durch das Wissenschaftlich-historische Komitee 1898, schrieb Hirschfeld auf Seite 13:

"Wenn einst die Nachwelt die Urningsverfolgungen in jenes traurige Kapitel eingereiht haben wird, in welchem die übrigen Verfolgungen andersgläubiger und andersgearteter Mitmenschen verzeichnet sind, - und dass das kommen wird, ist über jeden Zweifel erhaben - dann wird der Name Karl Heinrich Ulrichs unvergessen dastehen als einer der ersten und edelsten, die in diesem Felde der Wahrheit und Nächstenliebe zu ihrem Recht zu verhelfen, mit Mut und Kraft bemüht gewesen sind."

Von Heinrich Hössli und Karl Heinrich Ulrichs spricht man heute als Pionieren und Helden im Kampf um die freie Entwicklung und Bestimmung des Menschen nach seiner Natur und gegen widernatürliche Unterdrückung. Beide gelten als Urväter dieses Kampfes.

Ulrichs war der wohl erste konsequent und selbstbewusst als Uranier lebende Mensch, zumindest im deutschen Sprachraum. Seine Tätigkeiten wiesen weit in die Zukunft hinaus. Dem trug Volkmar Sigusch Rechnung mit dem Titel seines Buches: Karl Heinrich Ulrichs, Der erste Schwule der Weltgeschichte.1 Darin schrieb er:

"Viel von dem, was eine 'Bewegung' ausmacht, nahm Ulrichs als Einzelkämpfer voraus: öffentliche Widerreden, Demonstrationen und Anklagen; Streitschriften und Eingaben an die Gesetzgeber und ihre Kommissionen; Vernetzung der 'Genossen'; Einrichten eines Archivs des Pro und Kontra und damit der Individual-, Sozial- und Kriminalgeschichte bis dahin Geschichtsloser; Auflisten berühmter Männer der Vergangenheit, die Männer geliebt haben sollen; Androhen, namhafte Urninge [...] als solche zu entlarven, heute Outing genannt; [...] Konzeption eines 'Urningsbundes'; Einrichten einer Unterstützungskasse für in Not geratene Gleichgesinnte; Gründung einer ersten Zeitschrift für sie; [...] öffentliches Sichbekennen, heute Coming out genannt [...]"

Ebenfalls bis heute aktuell und verbindlich ist seine Solidarität für Mitunterdrückte. Aus Prometheus Seite 9:

"Die Vergewaltigten und Geschmähten kennen kein Recht der Vergewaltigung durch nackte Gewalt, noch ein Recht auf Schmähung. Darum ist unsere Stellung überall auf Seite der Vergewaltigten und Geschmähten: mögen sie heissen Pole, Hannoveraner, Jude, Katholik."

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Ernst Ostertag, September 2006

Quellenverweise
1

Volkmar Sigusch: Karl Heinrich Ulrichs, Der erste Schwule der Weltgeschichte, Verlag rosa Winkel, Band 21, Berlin 2000, Seite 19.