Konzept

Die Auswirkungen

'Das Buch in der Schweiz'

'Das Buch in der Schweiz'

'Das Buch in der Schweiz', aus dem Programm 'Landesausstellung', 1937. Darsteller: Zarli Carigiet, Karl Meier / Rolf (rechts). Quelle: Das Cornichon-Buch 1934-44, Holbein Verlag, Basel, 1945, S. 41.

Urheber
Fotograf: Atelier Eidenbenz, Basel
Herausgeber
Besitzer: Sammlung E. Ostertag/R. Rapp, Zürich
Rechte
© Holbein Publishing Co. Ltd.
Sammlungs Nr.
ID: 0418
'Das Buch in der Schweiz', aus dem Programm 'Landesausstellung', 1937

Im Gegensatz zur "Pfeffermühle" - und diese damit ergänzend - wollte das "Cornichon" ein rein schweizerisches Cabaret sein. Mit wenigen Ausnahmen waren die Texte in Mundart oder in einem wirksamen Deutsch-Mundart-Gemisch. Das Ensemble bestand fast ausschliesslich aus Schweizern. So konnten alle "Totalitäten", die ausländischen wie die eigenen, "gutbürgerlichen" oder "östlich angehauchten" in ihren Verlautbarungen, Zirkeln, Parteien oder im Verwaltungsapparat aufgezeigt und cornichonscharf beleuchtet werden.

Zugleich waren die alltäglichen Sorgen und Nöte, die echten und falschen Hoffnungen und Sehnsüchte, das Mitfühlen gegenüber Opfern von Politik und Krieg mit Texten in Volkssprache viel direkter aus- und anzusprechen. Man war am Puls der Menschen in dieser unsicheren Zeit, konnte mit Liedern und Klavier unterhalten, vieles augenzwinkernd-zweideutig sagen und damit schweizerischen Zuhörern den nur ihnen zugänglichen Ein- und Durchblick öffnen. Darsteller und Publikum verschmolzen zur verschworenen Einheit, jede und jeder bekam sein Fett weg und alle hatten Spass daran.

Nur die Totalitären nicht. Die besonders Aktiven der Nationalen Front agierten und rumorten in gleicher Weise wie gegen die "Pfeffermühle". Und die diplomatischen Vertretungen der Achsenmächte (Deutschland und Italien) intervenierten bis Ende 1944 regelmässig in Bern und Zürich. Eingeweihte wussten, warum sie sich um die Premierenkarten rissen. Programm-Nummern verschwanden unversehens oder mussten umgeschrieben werden - nachdem sie bereits gezündet hatten.

Es gab zu keiner Zeit einen offiziellen Zensurentscheid gegen das "Cornichon". Man sprach sich nach der Premiere und nach Protesten der Diplomatischen Vertretungen ab, wie weit man gehen wollte/durfte. Stadtpräsident Emil Klöti hielt seine schützende Hand auch über das "Cornichon" und vereinbarte 1939 mündlich eine Art Selbstzensur:

"Es sei doch besser, in einer Kleinigkeit den braunen Machthabern nachzugeben und dafür in wesentlichen Dingen die Narrenfreiheit zu bewahren."1

Der eben neu geschaffene Nachrichtendienst der Zürcher Kantonspolizei wurde nun zur "Überwachung und Berichterstattung" in den "Hirschen" beordert.

"Von da an wusste man, dass sowohl die Herren der Kantonspolizei wie des Deutschen Generalkonsulates jeweils in der hintersten Reihe sassen und eifrig notierten."2

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Ernst Ostertag, September 2004

Quellenverweise
1

Elsie Attenhofer: Cabaret Cornichon, Erinnerungen an ein Cabaret, Benteli Verlag, Bern, 1975, Seite 153.

2

Elsie Attenhofer: Cabaret Cornichon, Erinnerungen an ein Cabaret, Benteli Verlag, Bern, 1975, Seite 153.