1898-1975

Therese Giehse

Uraufführung Mutter Courage

Uraufführung Mutter Courage

Uraufführung 'Mutter Courage und ihre Kinder' von Bertolt Brecht. 19.4.1941, Schauspielhaus Zürich. Bühnenmusik: Paul Burkhard. Darsteller v.l.n.r: Therese Giehse als Mutter Courage; Erika Peusch, die stumme Tochter; Karl Paryla als Sohn 'Schweizerkas' und Wolfgang Langhoff als Sohn 'Eilif'.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Stadtarchiv Zürich, Schauspielhaus-Archiv
Rechte
© Stadtarchiv Zürich, Schauspielhaus-Archiv
Sammlungs Nr.
ID: 0353b
Uraufführung 'Mutter Courage und ihre Kinder' von Bertolt Brecht

Im Buch "Ich hab nichts zum Sagen" schilderte die deutsche Journalistin Monika Sperr 1973 das Ende der "Pfeffermühle" im Gespräch mit Therese Giehse. Dieses Ende im Januar 1937 nach der Premiere in New York war auch das Ende der speziellen, lesbischen Beziehung zu Erika Mann. Davon allerdings sagte die Giehse nichts im Gespräch mit der Journalistin:

"Die Fahrt nach Amerika war 'eine ganz verrückte Sache', trotzdem fuhr sie mit und lernte Englisch fürs gelobte Land. So kolossal wie das Unverständnis der Amerikaner für das, was sie wollten, war die eigene Unwissenheit über das, was sie dort sollten.

'Die Texte waren miserabel übersetzt, nichts war vorbereitet, nichts überlegt. Das ganze amerikanische Gastspiel eine völlig überflüssige Fahrt ins Blaue.'

Am 5.1.1937 war Premiere in New York. Kaum vier Wochen später schiffte sich die Giehse 'sehr traurig und verärgert' zurück nach Europa ein. Am 13.2. war sie wieder in Zürich. Allein, denn die Pfeffermühlezeit war vorüber. Bei der Ankunft im Hafen von Cherbourg lag ein Telegramm des Zürcher Schauspielhauses vor. Man brauchte sie dort. 'Das nennt man Anschluss' - eine Arbeit war getan, eine andere war jetzt zu tun. Lange Verschnaufpausen hat die Giehse [...] nie gemacht. [...] Ihr machte ihre Arbeit Spass, und sie kann sehr viel Spass vertragen. Schon als die 'Pfeffermühle' in Zürich agierte, spielte sie zwischendurch am Schauspielhaus. Jetzt hatte sie (fast) jede Woche eine Premiere und lernte (wie alle anderen auch) in der Pause einer Aufführung bereits den Text fürs nächste Stück."

Der Regisseur Peter Löffler:

"Wir bekamen also im gleichen Theater und mit demselben Ensemble in sieben Jahren (1938-1945) an die 150 Stücke zu sehen. Therese Giehse, diese Jahrhunderterscheinung des Theaters, hat bis zu ihrem Weggang von Zürich 140 Rollen gespielt."

Emigranten, denen die Nazis das deutsche Bürgerrecht abgesprochen und entzogen hatten, waren staatenlos. Für viele war darum die Heirat mit Nichtdeutschen überlebenswichtig. So hatte man einen Pass und konnte notfalls weiterreisen. Die Giehse war ab 1936 mit dem homosexuellen britischen Schriftsteller J. F. Norman Hampson-Simpson verheiratet und blieb es bis zu dessen Tod 1955.

Nachdem die Scheidung von Erika Mann (1905-1969) und Gustav Gründgens 1929 vollzogen war, heiratete Erika am 15. Juni 1935 den ebenfalls homosexuellen englischen Dichter Wystan H. Auden (1907-1973), der 1939 zusammen mit dem homosexuellen Schriftsteller und Landsmann Christopher Isherwood in die USA auswanderte. Auch England war für Homosexuelle keine Heimat. Die nie konsumierte Ehe von Erika Mann und Wystan H. Auden hielt ebenfalls lebenslang, bis zum Tod von Erika. Auden gehörte bei den Manns zur Familie; er verstand sich besonders gut mit Golo Mann und korrespondierte mit Katja, seiner Schwiegermutter, bis er starb (sie überlebte ihn um sieben Jahre).

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Ernst Ostertag, Oktober 2004

Weiterführende Links intern

Die Peffermühle