Fernes Ziel

Ein Zentrum für Homosexuelle

Unter dem Titel "Das ferne Ziel" fasste Rudolf Rheiner (Karl Meier / Rolf) im März 19411 seine Vision in Worte:

"Der Kampf 'gegen Ächtung und Vorurteil' bleibt einer der wesentlichsten Faktoren; [...] er wird noch Jahrzehnte dauern, vielleicht noch ein Jahrhundert. [...]

[Dies] ist aber nicht das einzige Ziel. Wir erstreben eine neue Gemeinschaft mit Menschen gleichen Schicksals, [...] denen künstlerische Gestaltungen dieses Schicksals ein seelisches Bedürfnis ist wie für den Leib das Brot. [...]

Diese Zeitschrift könnte aber noch mehr sein: der Platz, wo Schriftsteller unserer Art Stücke aus unveröffentlichten Werken zum ersten Male abdrucken, der Platz, wo lebende Mediziner und Juristen unsere Neigung von ihrem Standpunkt aus beleuchten, 'Pro und Contra' nebeneinander stellen. [...]

Eine andere Notwendigkeit: ein eigener Raum, der ausschliesslich diesem Kreis zugänglich ist. In diesen Raum gehört eine Bibliothek aller einschlägigen Werke der Wissenschaft und der schönen Literatur, gehören einwandfreie Bildersammlungen. [...] Dieser Raum könnte der Mittelpunkt für alle Abonnenten werden, [...] (die) von Zeit zu Zeit für ein paar Stunden (in) der Welt leben, die wir nun einmal brauchen, um innerlich nicht zu verarmen, zu vereinsamen. [...]

Das ist und bleibt das ferne, schöne Ziel - wenn der Krieg einmal zu Ende ist! [...] [Dann] wären wir nicht so prüde, keine Feste zu veranstalten!"

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Ernst Ostertag, August 2004

Quellenverweise
1

Karl Meier unter dem Pseudonym Rudolf Rheiner: Menschenrecht, Nr. 3/1941