1930-1998

Carl Melchior Zibung

... ein kritischer Geist und Visionär

Er war, wie er sich selber nannte, ein "lebenslanger Autodidakt". Er dokumentierte vieles, aber fast nichts zu seinem Leben, wenig, was die beruflichen Tätigkeiten betraf und gar nichts über die privaten Seiten. Wir (Röbi Rapp und Ernst Ostertag) wussten um die intensive Beziehung zu einem jungen Südamerikaner; sie währte nur wenige Jahre. Das war um 1968 und 1969, als wir im Redaktionsteam der Zeitschrift Club68 mit Carl zusammenarbeiteten und uns gelegentlich in seiner Wohnung trafen.

Erst an der Abdankung, dreissig Jahre später, erfuhren wir mehr. Von den seinerzeitigen Freunden waren ausser Ettore Cella und Karlheinz Weinberger keiner da. Den Sprecher in der Friedhofskapelle, Josef Burri, kannten wir nicht. Offensichtlich war er ein Weggefährte Carls in späteren Abschnitten seines Lebens. Dass er ebenfalls für Club68 aktiv war, zusammen mit seinem damaligen Freund, das wussten wir nicht. Die korrespondierenden Mitarbeiter im Redaktions-Team um Carl Zibung erschienen nie an Sitzungen und jeder schrieb unter einem Decknamen.

Wir begegneten jedoch Josef Burri unerwartet im Verein Network (gay leadership, schwule Führungskräfte Schweiz). Das war weitere elf Jahre später, 2009. Dabei erzählte er uns von Carl und wir baten um eine Kopie jener Abdankungs-Ansprache.

Beim Durchlesen wurde klar, das Einfügen dieser persönlichen Worte in den bereits bestehenden Website-Text über Carl Zibung wäre ein Zerreissen von Zusammenhängen. Wir entschlossen uns, zwei zusätzliche Unterkapitel anzuhängen: "Rückblick" und "Abschied".

Dadurch bleibt dieses Zeugnis und Lebensbild als Einheit bestehen. Wiederholungen oder Überschneidungen sind zwar unvermeidlich, der Gewinn wiegt es auf. Das Ganze wirkt wesentlich lebendiger.

Ernst Ostertag, Januar 2011