1902-1966

Fred Schneckenburger

... Künstler und Unternehmer

Der arme Dichter

Der arme Dichter

Fred Schneckenburger, Der arme Dichter. Stockfigur, 1951. Quelle: Museum Bellerive, Zürich.

Urheber
Foto: Fred Schneckenburger
Herausgeber
Besitzer: Museum Bellerive, Zürich
Rechte
© Museum Bellerive, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 3097
Fred Schneckenburger, Der arme Dichter
Probe

Probe

Schneckenburger auf einer Probe um 1954. Mitte, weisses Hemd, mit dem Kasper auf der Spielleiste, geführt von Luzzi Wolgensinger. Quelle: Museum Bellerive, Ausstellungskatalog, 1991/1992.

Urheber
Foto: Michael Wogensinger, Zürich
Herausgeber
Besitzer: Museum Bellerive, Zürich
Rechte
© Museum Bellerive, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 3107
Schneckenburger auf einer Probe um 1954

"Schnegg", wie er im KREIS genannt wurde, war ein Erfolgstyp auf der ganzen Linie bei allem, was er unternahm. Das hatte mit seiner Intelligenz, dem Humor, seiner Menschlichkeit und dem Sinn für Gerechtigkeit, aber auch damit zu tun, dass er ein unermüdlicher Schaffer war, der viel verdiente nicht um mächtig zu sein, sondern weil Geld ihm volle Unabhängigkeit sicherte.

Zur Umsetzung seiner vielen Ideen und beim grossen Hobby Puppenspiel war er nicht auf Sponsoren angewiesen. Er war frei zu tun, was immer er auf welche Weise realisieren wollte.

Mit 36 wurde er Geschäftsführer der Schweizerischen Schmirgel- und Schleifindustrie in Frauenfeld, steuerte die Firma gewinnbringend durch die schwierigen Kriegsjahre und war in der Ausbauzeit nach 1945 erfolgreich, weil er gezielt auf Werbung setzte. Damals gehörte Schneckenburger zu den ersten, die das taten. Und er tat es auf seine Weise: Mit jungen, talentierten Künstlern und Textern, die er anstellte und förderte. Zugleich begann er ihre Werke und jene von anderen, meist Plakate, zu sammeln.

1954 verkaufte er seine Plakatsammlung von 15'000 Exemplaren ans Zürcher Museum für Gestaltung. Sie wurde dort zum Grundstock einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen auf diesem Gebiet.

Einer von Fred Schneckenburgers Grafiker-Freunden entdeckte, dass sein Patron abstrakt-surrealistische Puppen für die Kinder seiner Verwandten bastelte. Er brachte Fred dazu, mit solchen Puppen öffentlich aufzutreten. Das gelang. Als grosser Bewunderer des Zürcher Cabarets Cornichon (1934-1951), in dem auch der Leiter des KREIS, Karl Meier / Rolf mitwirkte, lag es nahe, dass Schneckenburgers Puppen ebenso kritische und vor nichts zurückschreckende Texte sprechen sollten. Sie taten dies via Tonband und da sie abstrakte Figuren waren, inspiriert von Picasso und Klee, wehte immer nebst der Satire auch ein Hauch Geheimnis und Augenzwinkern um sie. Die Wirkung war phänomenal.

Mit diesen "seinen Kindern" zog Schneckenburger von 1947 bis 1964 durch die ganze Schweiz und halb Europa. Davon zeugen Presseberichte.

Im KREIS gehörte "Schnegg" zur grossen Gruppe der Künstler und Intellektuellen und hatte als stets humorvoller Mensch auch viele Freunde. Dass er erfolgreicher Unternehmer war, wussten nur wenige. Oft lud er eine Runde von Freunden und Freundinnen zu sich. Das waren unvergessliche Abende.
Leider starb er viel zu früh, mit 64 Jahren.

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Ernst Ostertag, Januar 2013