Abschied

... am Grab

Nico in Kyoto

Nico in Kyoto

Nico Kaufmann auf seiner Thailand-Japan Reise, 1995 in Kyoto. Quelle: Nachlass Nico Kaufmann, www.nico-kaufmann-stiftung.ch.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Privataufnahme, Familienbesitz
Rechte
© Nachlass Nico Kaufmann
Sammlungs Nr.
ID: 3163
Nico Kaufmann auf seiner Thailand-Japan Reise, 1995 in Kyoto

Aus der Abschiedsrede, die Dr. Josef Burri an Nicos Grab gehalten hat1:

"Wir nehmen heute Abschied von der körperlichen Hülle von Nico. Mit einem Lächeln auf den Lippen ist er am letzten Samstag eingeschlafen, im Beisein seiner Schwester. Nico hat das Leben geliebt. Aber er hat in den letzten Jahren auch davon gesprochen, dass der Tod jetzt allmählich fällig werde. 'Ich habe ein schönes Leben gehabt', hat er mir gesagt, 'aber ich gehe auch gerne, jetzt, wo es Zeit geworden ist'.

Nico hat mich gebeten, zu seinem Abschied ein paar Worte zu sagen. Was mir zu sagen bleibt, sind ein paar Erinnerungen über unser gelegentliches freundschaftliches Zusammensein in den letzten 25 Jahren seines Lebens. [...]

Seine ganz eigene Ausdrucksweise zur Leichtigkeit des Seins fand Nico im künstlerischen Bereich, insbesondere in der Musik. Leider habe ich ihn als aktiven Musiker nur ganz selten erlebt [...]. So kenne ich zum Beispiel nicht seine Hesse-Lieder, und ich weiss auch nicht, ob er folgende Zeilen aus einem Gedicht Hermann Hesses vertont hat:

Liebe Vögel im Laub,
Liebe Brüderlein,
Lasset uns singen und fröhlich sein,
Bald sind wir Staub.

Die Worte Hesses drücken vieles von dem aus, wie ich Nico erlebt habe: Im Wissen um unsere Vergänglichkeit sich den freundlichen Seiten des Lebens zuwenden; im Vertrauen auf sich selbst das konkrete Du aus Fleisch und Blut nahe an sich herantreten lassen; in der Gewissheit des Todes die Einheit von Mensch und Natur erfahren.

[...] Im Februar des letzten Jahres besuchte Nico Thailand und verbrachte einige Zeit am Strand von Hua Hin. Er schreibt: 'Vor dem Zu-Bett-Gehen setzte ich mich an den nächtlichen Strand. Es war herrlich dunkel. Kein Mond. Sterne konnte ich trotz klarer Nacht wegen meiner schlechten Augen nicht sehen. Also keine Klischeeromantik und trotzdem faszinierendes Schauspiel. Der unaufhörliche Gesang des Meeres. Weit draussen in der Dunkelheit, doch sichtbar, Streifen von Wellenkronen, die aufleuchteten, vom Winde getrieben seitwärts flohen, hoffend dem Tod, der sie am Strand erwartete, zu entweichen [...]. Einigen gelang ein letztes Aufbäumen in Strandnähe. Doch auch dies vergebens. Friedlich erlebten sie ihr Ende, versickernd im Sand. Vergänglich wie unsere ganze Welt.'

Finanziell war Nico nicht auf Rosen gebettet. Seine Tätigkeit als Bar-Pianist in besten Häusern (National in Luzern, Baur au Lac in Zürich und anderen) diente dem Lebensunterhalt. Meistens spielte er mit einer Zigarette im Mund; auf dem Flügel oder Klavier stand ein Glas Whiskey mit Soda-Wasser. Erst im Alter trat er zweimal eine Erbschaft an, die ihn zum Millionär machte, was ihn eher amüsierte als freute. Sein Vermögen brachte er in eine Stiftung zu Gunsten von jungen Musikern ein."

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Ernst Ostertag, Januar 2011

Quellenverweise
1

Josef Burri ist heute Mitglied von Network. Er übergab uns die Rede im März 2010