1938

Spital in Paris

... Trost- und Liebesbriefe an den Schüler

Nico in Gstaad, 1938

Nico in Gstaad, 1938

Nico Kaufmann in Gstaad, Sommer 1938. Er war dort zusammen mit Vladimir Horowitz. Quelle: Nachlass Nico Kaufmann, www.nico-kaufmann-stiftung.ch.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Privataufnahme, Familienbesitz
Rechte
© Nachlass Nico Kaufmann
Sammlungs Nr.
ID: 3170
Nico Kaufmann in Gstaad, Sommer 1938
Horowitz in Gstaad, 1938

Horowitz in Gstaad, 1938

Vladimir Horowitz in Gstaad, Sommer 1938. Quelle: Nachlass Nico Kaufmann, www.nico-kaufmann-stiftung.ch.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Privataufnahme, Familienbesitz
Rechte
© Nachlass Nico Kaufmann
Sammlungs Nr.
ID: 3173
Vladimir Horowitz in Gstaad, Sommer 1938
Nico Kaufmann im Spital, Paris 1938

Nico Kaufmann im Spital, Paris 1938

Nico Kaufmann im Hôpital Claude Bernard, Paris, April 1938. Quelle: Nachlass Nico Kaufmann, www.nico-kaufmann-stiftung.ch.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Privataufnahme, Familienbesitz
Rechte
© Privataufnahme, Familienbesitz
Sammlungs Nr.
ID: 3181
Nico Kaufmann im Hôpital Claude Bernard, Paris, April 1938

Im März 1938 brach bei Nico Scharlach aus, obwohl er diese Krankheit bereits als Kind durchgemacht hatte. Offenbar war er eine der seltenen Personen, bei denen sie ein zweites Mal auftrat und daher als besonders gefährlich galt. Er kam in ein mit Glas abgetrenntes Einzelzimmer der Scharlachabteilung eines Pariser Spitals.

"Papa wurde benachrichtigt und kam sofort nach Paris. Ich war nicht bei klarem Bewusstsein, erinnere mich nur, dass er bei mir sass und hie und da weinte. Mein Zustand war anscheinend sehr kritisch, eine Frage, ob das Herz durchhalten würde."1

Nico überstand die Krise, musste aber danach noch lange im Spital bleiben. In dieser Zeit erhielt er fast jeden Tag einen Brief von Horowitz, einmal auch einen sehr liebenswürdigen von dessen Frau Wanda.

Diese Briefe drückten vor allem Besorgnis um den Zustand des Patienten aus, wollten Trost spenden, die Zeit etwas verkürzen und beschworen immer wieder das nun wichtige Ausruhen und die dazu nötige Geduld. Zugleich berichteten sie mit entschuldigenden Worten, dass echte Besuche nicht möglich seien und nicht einmal Früchte oder Blumen durchgelassen würden. Selbst Horowitz' Versuch, Grammophon und Schallplatten zu übergeben, sei abgewiesen worden. Auf jeden Brief verfasste Nico sofort eine Antwort.

In einigen Briefen machte Horowitz auch versteckte Andeutungen auf die besondere Seite ihrer gegenseitigen Lehrer-Schüler Beziehung, wohl als Antwort auf recht offene Bemerkungen Nicos. Er schrieb vom "Johnny Spiel" und dass Nico dabei "Schulden bezahle":

"Mon cher Nico! [...] Ich werde Ihnen ganz alles an Papier schreiben und bitten, dass Sie meine Briefe zerreissen [...] ich bin heute sehr für zweite Thema III. Satz Phantasie Schumann und auch für Schuldchen zu bekommen!!! Ha - - ha!! Sind Sie 'wieder reich'?"2 

"Sagen Sie sich selbst [...], dass Ihre Klavierarbeit nicht eine Maske für unsere Freundschaft, sondern eine geistige Verbindung ist! Ich stehe immer zu Ihrer Verfügung."3

All die vielen übrigen Briefe geben Einblick ins private und künstlerische Leben der Familie Horowitz-Toscanini - beispielsweise über Konzerte in London und den Niederlanden, die Arturo Toscanini zusammen mit seinem Schwiegersohn gab - und in die geheime sexuelle Beziehung Horowitz-Nico.

"Am 6. Mai 1938 reiste ich praktisch direkt aus dem Spital heim nach Zürich, allerdings noch ziemlich mitgenommen. Ich hatte aber grösstes Glück, da die Krankheit keine der häufigen Schäden hinterliess. Nieren und Augen waren in Ordnung."4

Der Virtuose war seinem Schüler immer wieder neu verfallen und wollte ihn zugleich ernsthaft zu einem grossen Künstler machen. Den Sommer hindurch übten sie in Frankreich und in Gstaad. Im August besuchten sie beide die ersten Musik-Festwochen in Luzern, wo Toscanini dirigierte.

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Ernst Ostertag, Juni 2006

Quellenverweise
1

Nico Kaufmann: Memoirenfragmente, "Vladimir Horowitz, Idol - Lehrer und Freund", Seite 17

2

Valdimir Horowitz, Brief vom 17.3.1938

3

Valdimir Horowitz, Brief vom 18.3.1938

4

Nico Kaufmann: Memoirenfragmente, "Vladimir Horowitz, Idol - Lehrer und Freund", Seite 19