1930-~1985

Thomas Wetzel

... und Tom Men’s Shop

TOM Bademode

TOM Bademode

TOM Bademode, Versandkatalog. 'Versand in alle Welt'. Quelle: Thomas Wetzel, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Urheber: Thomas Wetzel
Herausgeber
Besitzer: TOM Versandabteilung, Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 3066
TOM Bademode, Versandkatalog
TOM Faltprospekt

TOM Faltprospekt

TOM for men, Faltprospekt um 1965. Quelle: Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Hrsg.: TOM
Herausgeber
Besitzer: TOM, Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz
Sammlungs Nr.
ID: 3145
TOM for men, Faltprospekt um 1965

Sozusagen als Wirtschafts-Flüchtling kam Thomas Wetzel kurz nach dem Krieg mit seiner Mutter in die Schweiz. Zuvor lebten sie in Berlin. Beide hatten eisernen Willen, ein geschliffenes Mundwerk und grosses kaufmännisches Geschick. Aber kein Geld. Die Mutter fand einen Metzger, der sie heiratete und zur Schweizerin machte. Dann legte sie los und baute mit dem Sohn ein kleines Imperium auf. Mode, Herrenmode natürlich, denn der Sohn sah gut aus und war schwul. Neue Sterne am Freizeit- und Mini-Dessous-Himmel, die sollten nun steigen.

Die Firma hiess Tom Men's Shop und entwickelte sich rasch. Sie begann 1957. Abonnenten des Kreis waren die ersten Kunden. Sieben Jahre später startete der Versandhandel mit sexy Faltprospekten. Modell-Burschen zeigten modisch Neuestes vom leichten Dress bis fast nichts, aufgenommen von Tom, der auch ein guter Fotograf war, an Stränden, in Dünen, bei freizeitlichem Spiel und Spass irgendwo draussen in offener Natur. Das war neu. Jeder Prospekt wurde zum Renner, die Kundschaft international.

1966, fünf Jahre bevor er von allen getragen wurde, lancierte Tom den "Matrosenschnitt" nicht nur als weisse, zu den Füssen sich weitende Hose, sondern in Farben, die für Männer ungewohnt waren: rosa, zitronengelb, lichtblau. Als eigentlicher Trendsetter nahm er auch die Sexwelle der 70er Jahre voraus mit Mini-Unterwäsche, Netzgewebe, Leder-cashsacs und gänzlich neuen Formen von Freizeitdress, aus Samt etwa und zu öffnen per Reissverschluss vom Hals bis zum Schritt und hinten wieder ein Stück weit hoch. Nun gab es Filialen nicht nur in Zürich, sondern auch an anderen Orten der Schweiz, eine sogar in New York.

Tom führte ein äusserst aktives Nachtleben. Doch an allen Enden brennen, das ging nicht auf lange Zeit. Er verlor die Kontrolle und seine Kreativität. Er starb, völlig ausgebrannt, viel zu früh.

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Ernst Ostertag, Januar 2013