Nachruf

Adolf Brand

Adolf Brand

Adolf Brand, 1874-1945.

Urheber
Foto: Foto-Studio Jaro von Tucholka, Berlin
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0015b
Adolf Brand, 1874-1945

Im November1 berichtete Karl Meier / Rolf vom Tod Adolf Brands:

"Vor wenigen Wochen habe ich die Nachricht erhalten, dass der langjährige Leiter der Gemeinschaft der 'Eigenen' und Redaktor der Zeitschrift gleichen Namens in dem apokalyptischen Untergang Berlins ums Leben gekommen ist. Sein Bruder Fritz schrieb mir auf einen Brief, mit dem ich hoffte, langsam die Verbindung mit Adolf Brand wieder aufnehmen zu können:

'[...] Am 26. Februar2 1945 wurde der nahe Bahnhof von Wilhelmshagen [...] bombardiert. Eine Sprengbombe fiel dicht am Hause in die Erde und riss die Hinterfront des Hauses in den Luftschutzkeller, die dort Schutzsuchenden unter sich begrabend. Die Rettungsmannschaft konnte sechs Tote bergen, darunter meinen lieben Bruder und seine Frau. Am 7. März haben wir sie zur letzten Ruhe gebettet. [...]'

Adolf Brand verdient, dass wir seiner ehrend gedenken. Er war sicher einer der tapfersten Kämpfer im vorhitlerischen Deutschland gegen die Bevormundung des Staates, für die freie Liebesäusserung unserer Neigung. [...] Er hat in zahllosen Eingaben und öffentlichen Briefen [...] für die Freiheit der Liebe zum Freunde gekämpft. [...] Das war das Erfrischende und Gewinnende an Adolf Brand, dass man ihn lieben musste, auch wenn man manche Dinge anders sah als er. Seine Zeitschrift Der Eigene [...] bleibt wohl noch lange Vorbild für jedes Blatt, das unserem Denken und Fühlen dienen will. [...] Die Essays über den Geschichtsschreiber Johannes von Müller, über Heinrich Hössli, den 'Putzmacher von Glarus', über den zürcherischen Volksdichter Jakob Stutz, den katholischen Kirchen-Maler Paul von Deschwanden (1811-1881) und den Gründer des Roten Kreuzes, Henri Dunant (1828-1910), sind nicht mehr wegzudenkende Belege gegen die jahrhundertealte Verdummungstheorie von der 'Minderwertigkeit' der gleichgeschlechtlichen Neigung. [...] Dieser Erkenntnis sein Leben geopfert und sie im deutschen Sprachbereich auf eine geistig und sprachlich erfreuliche Basis gehoben zu haben, bleibt das unauslöschliche Verdienst Adolf Brands."

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Ernst Ostertag, November 2004

Quellenverweise
1

Karl Meier unter dem Pseudonym Rudolf Rheiner: Der Kreis, Nr. 11/1946, Seite 10

Anmerkungen
2

Hier handelt es sich vermutlich um ein Verschreiben, denn in sämtlichen Quellen ist der 2. Februar 1945 als Tag des Luftangriffs und des Todes von Adolf Brand angegeben. Es ist denkbar, dass die Räumungsarbeiten besonders in dieser späten Phase des Krieges mit ihren vielen Bombenangriffen lange dauerten und der Bruder den Leichnam erst am 26. Februar identifizieren konnte, was dann die im Brief erwähnte Beerdigung am 7. März möglich machte.