1942/1943

In Russland

Als Pfleger im Osten

Karl Meier / Rolf mit Pelzkappe

Karl Meier / Rolf mit Pelzkappe

Portrait von Karl Meier / Rolf. Mit einer handschriftlichen Widmung auf der Rückseite.

Urheber
Fotograf: Koch, Schaffhausen
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© erloschen
Sammlungs Nr.
ID: 0056
Portrait von Karl Meier / Rolf
Rückseite

Rückseite

Rückseite des Portraits. Widmung an seinen Lebenspartner Fredi Brauchli / Fredy. Anlass: Abreise mit der Rot-Kreuz-Mission. Zitat aus Otto Zarek, 'David'.

Urheber
Urheber: Karl Meier / Rolf
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© erloschen
Sammlungs Nr.
ID: 0057
Rückseite des Portraits
Weihnacht in Rostow

Weihnacht in Rostow

Weihnachtsfeier 1942 in Rostow, Russland. Schweizer Ärztemission, Gruppe Rostow, vorne rechts Fredi Brauchli. Auf der Rückseite sind sämtliche Personen mit Titel, Name und Wohnort aufgelistet. Quelle: Foto-Album, Nachlass Alfred Brauchli, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: unbekannt, Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© unbekannt, Schwulenarchiv Schweiz
Sammlungs Nr.
ID: 3153
Weihnachtsfeier 1942 in Rostow, Russland

Karl Meier / Rolf sei immer sehr zurückhaltend gewesen, erzählte Fredi Brauchli. Er habe ihn zwar zu den Treffs der Abonnenten des Menschenrecht mitgenommen, aber niemandem sagen wollen, dass sie

"etwas miteinander haben. Er war furchtbar streng! Erst an der Weihnachtsfeier 1942, als ich in Russland war, stellte er mein Foto auf, damit alle an mich denken konnten."

In jenem Jahr hatte sich Fredi zur "Schweizer Ärztemission" gemeldet, die dem Schweizerischen Roten Kreuz unterstand und als humanitäre Hilfe für die besetzten Teile Russlands organisiert wurde. Es war auch Pflegepersonal gesucht.

Es gab mehrere solcher "Missionen", die erste startete bereits am 15. Oktober 1941. Sie galten als Einsätze im Sinn der Tradition des Roten Kreuzes und wurden darum vom nationalen Komitee des Schweizerischen Roten Kreuzes organisiert. Aber diese Einsätze waren politisch umstritten, weil sie nur auf der einen Seite der Front stattfanden - es gab keine Einsätze auf sowjetischer Seite - und daher der international anerkannten Neutralität der Schweiz nicht voll entsprachen. So sahen es die Kritiker. Fredi selber äusserte sich uns (Röbi Rapp und Ernst Ostertag) gegenüber, dass er mehr habe lernen können als im Aktivdienst in der Heimat und zugleich sei er überzeugter Pazifist geworden. "Krieg ist das Entsetzlichste, was es gibt."

Fredi stand vom November 1942 bis März 1943 im Einsatz bei der dritten "Schweizer Ärztemission". Er erlebte dabei - gelegentlich sehr nah an der Front - zunächst in Rostow am Don und nach der Niederlage von Stalingrad bei Dnjepropetrowsk am Dnjepr (Ukraine) die Leiden der Kriegsopfer, allerdings fast ausschliesslich jene der deutschen Wehrmachtsangehörigen.

Die Rückzüge von 1943, in deren Wirren er einmal von "einer russischen Patrouille überrascht" wurde, "was die Lebensmittelvorräte kostete", brachten ihn schliesslich nach dem polnischen Krakau,

"die erste unversehrte Stadt, die wir sahen, denn offenbar wollten die Deutschen nicht, dass wir Zeuge ihrer dauernden Niederlagen wurden. Im schönen und interessanten Krakau hatten wir nichts zu tun - und nach Hause fahren war unmöglich, solange dazu kein Befehl vom Roten Kreuz vorlag. Es war uns langweilig, also fragten wir, ob man uns nicht irgendwo einsetzen könne. Die sagten aber nur, das einzige, was sie für uns hätten, sei uns nicht zuzumuten. Wir wurden dann doch zugelassen, weil sie vermutlich zu wenig eigene Leute hatten, nämlich zum Entlausen von zurückgeschobenen Verwundeten. Auch Zivilisten (Flüchtlinge) waren darunter. Fast alle ihre Kleider waren verfilzt von Nestern und ganzen Kolonien von Läusen. Meist konnten wir die Klamotten nur noch verbrennen. Unter den Gipsverbänden, die wir aufschnitten, wimmelte es, da waren Gänge noch und noch. Alles musste behandelt, gewaschen, desinfiziert und neu verbunden werden, endlos."

Vor dem Aufbruch

Vor dem Aufbruch

Vor Aufbruch des Kriegslazarets in Rostow, Russland, Januar 1943.. Quelle: Foto-Album, Nachlass Alfred Brauchli, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Fredi Brauchli
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Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz
Sammlungs Nr.
ID: 3156
Vor Aufbruch des Kriegslazarets in Rostow, Russland, Januar 1943.

Fredi hatte einen Fotoapparat bei sich und schoss heimlich Bilder; offiziell war es verboten. Ein paar davon sind noch in einem Album mit geschnitztem Holzdeckel samt Widmung eines Freundes aus Krakau vorhanden. Er schenkte uns dieses Album wenige Monate vor seinem Tod.

Zurück in der Schweiz setzte er die Ausbildung an der Anstalt für Epileptische in Zürich fort. In seinem "Dienstbüchlein" ist auf Seite 28 die Teilnahme an der Ärztemission als Urlaub von vier Monaten (16. November 1942 bis 13. März 1943) vermerkt. Der Russlandeinsatz galt also nicht als Dienst in der Armee.

Von 1939 bis 1945 sind im Dienstbüchlein 699 Tage Aktivdienst eingetragen, darin enthalten die Diensttage vom 2. Oktober bis 4. November 1942, also bis kurz vor dem Einsatz in Russland und jene vom 31. März bis 3. Mai 1943 fast direkt nach diesem Einsatz. Stets stand er als Sanitätssoldat bei der Sanitätskompanie I/7, Thurgau, im Dienst.

Foto rechts: Nach der verlorenen Schlacht um Stalingrad. Angehörige der Schweizer Ärztemission und ein Deutscher Offizier. Heimliche Aufnahme von Fredi Brauchli mit Notiz auf der Rückseite: 'Die letzten Minuten vor dem Kriegslazaret 3/685 in Rostow'.

Lazaretzug, Russland 1942/1943

Lazaretzug, Russland 1942/1943

Lazaretzug Nr.673 des Roten Kreuzes. Russland im Winter 1942/1943, heimliche Aufnahme von Fredi Brauchli. Quelle: Foto-Album, Nachlass Alfred Brauchli, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Fredi Brauchli
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz
Sammlungs Nr.
ID: 3154
Lazaretzug Nr.673 des Roten Kreuzes
Aufbruch vom Kriegslazaret

Aufbruch vom Kriegslazaret

Aufbruch vom Kriegslazaret Dnjepropetrowsk. Ukraine, Februar/März 1943, heimliche Aufnahme von Fredi Brauchli. Quelle: Foto-Album, Nachlass Alfred Brauchli, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Fredi Brauchli
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Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz
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© Schwulenarchiv Schweiz
Sammlungs Nr.
ID: 3155
Aufbruch vom Kriegslazaret Dnjepropetrowsk
Rückzug

Rückzug

Rumänen auf dem 'planmässigen Rückzug', Februar/März 1943. Angehörige eines rumänischen Korps in einem Transportwaggon der Deutschen Reichsbahn, Russland im Januar/Februar 1943. Quelle: Foto-Album, Nachlass Alfred Brauchli, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Fredi Brauchli
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Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz
Sammlungs Nr.
ID: 3157
Rumänen auf dem 'planmässigen Rückzug', Februar/März 1943
Italienisches Korps, Rückzug

Italienisches Korps, Rückzug

Angehörige eines italienischen Korps auf dem Rückzug. Aufnahme von Fredi Brauchli mit Notiz auf der Rückseite: 'Fastow. Halt eines Italienischen Verwundetenzuges. 1.2.43' Quelle: Foto-Album, Nachlass Alfred Brauchli, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Fredi Brauchli
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz
Sammlungs Nr.
ID: 3158
Angehörige eines italienischen Korps auf dem Rückzug
Dienstbüchlein, Alfred Brauchli

Dienstbüchlein, Alfred Brauchli

Urlaub-Seiten im Dienstbüchlein von Alfred Brauchli, November 1942 bis März 1943. Erteilung des Urlaubs am 16. Nov. 1942, S. 28; Zurückmeldung vom Urlaub am 13. März 1943, S. 29. Quelle: Schweizerische Eidgenossenschaft, Dienstbüchlein, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Urheber: Schweizerische Eidgenossenschaft
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© Schweizerische Eidgenossenschaft
Sammlungs Nr.
ID: 3044
Urlaub-Seiten im Dienstbüchlein von Alfred Brauchli, November 1942 bis März 1943
Albumdeckel, Krakau

Albumdeckel, Krakau

Holzdeckel des Albums mit Wahrzeichen von Krakau, 1943. Quelle: Nachlass Fredi Brauchli, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Ernst Ostertag
Herausgeber
Besitzer: unbekannt, Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 3087
Holzdeckel des Albums mit Wahrzeichen von Krakau, 1943
Album Rückseite

Album Rückseite

Album Rückseite, Holzschnitzerei. Fotoalbum von Alfred Brauchli, geschnitzter Holzdeckel Rückseite, Krakau 1943 Quelle: Nachlass Fredi Brauchli, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Ernst Ostertag
Herausgeber
Besitzer: unbekannt, Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 3088
Album Rückseite, Holzschnitzerei
Widmung

Widmung

Album Rückseite, Widmung. 'Polska! Kraków 1943. zum Andenken von Deinem Freund Fredi!!!'. Quelle: Nachlass Fredi Brauchli, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Ernst Ostertag
Herausgeber
Besitzer: unbekannt, Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 3089
Album Rückseite, Widmung

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Ernst Ostertag, Februar 2006, ergänzt: Mai 2010