1916-1935

Jugendjahre

Laufbursche

Fredi Brauchli mit Verwandten

Fredi Brauchli mit Verwandten

Fredi Brauchli mit Mutter und Verwandten, um 1936. Quelle: Nachlass Fredi Brauchli.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz
Sammlungs Nr.
ID: 3050
Fredi Brauchli mit Mutter und Verwandten, um 1936

Alfred Brauchli wurde immer Fredi genannt (Rolf schrieb den Namen mit y)

Sein Vater war Transmissionswärter in der Kammgarnspinnerei Bürglen bei Weinfelden (TG); die Familie lebte in sehr ärmlichen Verhältnissen. Der Vater begann seine Arbeit des Überprüfens der zahllosen Maschinen um 05.00 und schloss mit der Endkontrolle um 22.00.

Es gab kein Geld, um den einzigen Buben der Familie - er hatte noch drei Schwestern - in die Sekundarschule zu schicken. Zwar konnte man dort Schulbücher billig von älteren Kameraden kaufen, aber Bleistifte, Schreibfedern, Hefte und so weiter waren ebenfalls selber zu bezahlen. Dafür reichte das Geld nicht.

Also verdiente sich der kräftige, stets stille Fredi vom siebten Schuljahr an sein eigenes Geld in der Freizeit als Laufbursche zwischen den ratternden Spinnmaschinen, wo er die leeren Spulen einsammeln und durch neue ersetzen musste. Nur die schnellsten Läufer hatten dabei eine Chance.

Nach Ende des achten Schuljahres wurde der 14-jährige voll angestellter Laufbursche im Betrieb in dem auch der Vater arbeitete. Seine Arbeitszeiten waren von 6.30 bis 18.00 mit einer Freistunde am Mittag. Am Samstag von 13.00 bis 17.00 war die Fortbildungsschule angesetzt, die für alle obligatorisch war, die keine Sekundarklassen besucht hatten. Mit 18 konnte er einen verantwortungsvolleren Posten in der Kammgarnspinnerei übernehmen.

In der Freizeit hatte er mit Violin-Unterricht begonnen, den er selber bezahlte. Seine raschen Fortschritte ermöglichten die Mitgliedschaft im "Orchesterverein an der Thur", dessen Programm auch klassische Musik umfasste.

Ernst Ostertag, Februar 2006