Sicherung

... des Schatzes

So befand sich schliesslich der ganze persönliche und den KREIS betreffende Nachlass Eugen Laubacher / Charles Welti in unserem Keller (Röbi Rapp und Ernst Ostertag). Den Vertrag mit den Erben musste ich an deren Vertreterin, eine Freundin Eugen Laubachers zurückgeben. Sie wollte offenbar kein Zeugnis in anderen Händen wissen. Wir waren inzwischen zu recht gutem Einvernehmen gekommen und so erzählte sie mir Details aus dem Leben Eugen Laubachers, die ich nicht kannte oder die andere Aussagen ergänzten und bestätigten.

Träumende

Träumende

Federzeichnung von Bernardino del Boca, 1919-2001. Nachlass Eugen Laubacher / Charles Welti.

Urheber
Künstler: Bernardino del Boca
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0124
Federzeichnung von Bernardino del Boca, 1919-2001

Eugen Laubacher war ein Sammler. Diese Leidenschaft hat ihn nach dem Ende des KREIS 1967 alle Dinge sorgfältig aufbewahrt liegen lassen, die die Zeitschrift und Organisation betrafen, sogar einzelne Abonnentenlisten (!), welche verordnungsgemäss sofort hätten vernichtet werden müssen.

Erst Monate vor seinem Tod und kurz vor der krankheitsbedingten Einweisung in eine Pflegestation, begann er damit, Materialien in Container zu werfen, um sie zu entsorgen. Zu weiterem Tun reichte seine Zeit nicht mehr. Und so fanden wir, Giuseppe Caffagnini und ich (Ernst Ostertag), diese Container und fast alles andere noch unberührt in endlos vielen Schubladen, Fächern, Registraturen, Pulten, Schränken und Truhen der oberen beiden Wohnungen und im Estrich.

Darauf folgte das Feinsortieren und die möglichst detaillierte Auflistung, wobei uns, Röbi und mir, niemand helfen konnte, weil keiner mehr lebte von jenen, die Charles Welti noch besser gekannt hatten.

Nach 18 Monaten lag alles im Schwulenarchiv, zusammen mit dem 160-seitigen Verzeichnis: Dokumentation einer schwulen Existenz im 20. Jahrhundert, eines Daseins, das in krasser Weise typisch war für einen Mann in hohen Stellungen, sowohl im bürgerlichen als auch in seinem homosexuellen Leben.

Ernst Ostertag, Januar 2005