Jahresbericht 1955

Für die Jahresversammlung vom 9. Mai 1956 hatte Karl Meier / Rolf den Jahresbericht verfasst:

"Der 23. Jahrgang unserer Zeitschrift ist in manchem erfreulicher ausgefallen als der vorige, wenigstens was die Stabilität der Abonnentenzahl anbetrifft. Auch die Zahl der Mitarbeiter [...] im deutschen und im englischen Teil hat zugenommen. [...] In Frankreich tauchen ständig neue Werke auf, seien es Romane oder Auseinandersetzungen, sodass die 'Arcadie' beinahe in jeder Nummer in einer beneidenswerten Fülle davon berichten kann und es wäre mehr als zu begrüssen, wenn unsere französische Redaktion aus der welschen Schweiz oder natürlich auch von unseren Abonnenten in Frankreich mehr druckreifes Material bekäme. [...] Aus Deutschland und Österreich kommt nach wie vor das Meiste. [...] Es geht drum die Bitte an alle Abonnenten, uns durch gut fundierte Mitteilungen, Zeitungsausschnitte und Berichte zu unterstützen, [...].Man sagt unserer Zeitschrift nach, dass sie immer noch die lesenswerteste von allen sei - und dieses Urteil verpflichtet jedes Jahr mehr.

Sehr erfreulich hat sich der englische Teil herausgemacht und das ist gewiss [...] das Verdienst unseres Halbtag-Mitarbeiters Rudolf [Rudolf Burkhardt / Rudolf Jung], den wir um die Jahresmitte [...] gewinnen konnten. Das Echo, das unsere Zeitschrift und die Fotobände in den USA gefunden haben, machte es dringend notwendig, jemanden zu finden, der unseren unermüdlichen Walter [Walter Neuburger] entlasten konnte. Die grosse Kassenarbeit und die Riesen-Korrespondenz mit Übersee [...] durfte ihm nicht länger zugemutet werden und so fanden wir durch einen glücklichen Zufall Rudolf, der als früherer Buchhändler und Sprachlehrer an einer englischen Universität alle Voraussetzungen mitbrachte, nicht nur die notwendige kaufmännische Korrespondenz zu erledigen, sondern auch mit Schriftstellern [...] über alle uns bewegenden Fragen englisch zu diskutieren in einer Form, die hohen Ansprüchen genügt. [...] Vielleicht gelingt es uns, auf diesem wahrhaft übernationalen Weg auch eine übernationale Kameradschaft zu gründen, die eines Tages hilft, grössere Aufgaben zu realisieren als sie uns heute möglich sind.

Noch einer beinahe selbstverständlich gewordenen Mitarbeit an unserer Zeitschrift habe ich [...] zu danken: den selbstlosen Spendern des [...] Bildmaterials. Ich nenne die Namen Arfe und Jim [Karlheinz Weinberger], Zürich, und vor allem auch den charmanten Zeichner Rico [Enrique Puelma] in Zürich und den Meisterfotografen Pavel [Edmond Moser], Bukarest-Zürich. Wir dürfen sagen, dass wir durch diese Mithelfer ein Bildmaterial bekommen haben - neben dem einstweilen noch unerreichten Roberto Rolf [George Platt Lynes], New York, - um das uns jede ausländische Zeitschrift beneidet. Böse Zungen behaupten sogar, dass unsere Hefte nur der Bilder wegen abonniert und gekauft werden. [...]

Eduard Meyer

Eduard Meyer

Eduard Meyer / André in einer Kabarett-Nummer, an einem Herbstfest. Der Kassier des KREIS (undatiert), Sketch oder Kabarett-Nummer. Quelle: Schwulenarchiv Schweiz, sas, Zürich.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: DER KREIS, sas, Zürich
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz, sas, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 3236
Eduard Meyer / André in einer Kabarett-Nummer, an einem Herbstfest

Erfreulich ist auch, dass wir in diesem Jahr zwei kleine Sonderdrucke herausgeben konnten: 'Die einander bei Händen und Sternen halten' [Roman-Auszug] von Hans Alienus [Hugo Marcus] und 'Unsere Verantwortung vor Gott' von Dr. A. Wenn auch den beiden Erscheinungen kein besonderer Erfolg beschieden war, so sind sie doch ein kleiner Anfang für grössere Pläne.

[...] Eine Grossarbeit hat sich dieses Jahr André [Eduard Meyer] als Buchhalter aufgeladen. Ihm ein besonderer Dank."

"Kurz vor Jahresschluss und kurz nach dem ungewöhnlich schönen Herbstfest wurde uns noch ein Prügel zwischen die Beine geworfen: ein (vorläufiges) Tanzverbot für jede Klubzusammenkunft und nur zweimal Tanzerlaubnis pro Monat! Weshalb nach zwölfjähriger Gepflogenheit hier plötzlich ein Veto gesprochen wurde, konnte nie genau eruiert werden. Aber es scheint, dass auch aus dieser Schikane etwas Gutes herauswächst: an den tanzlosen Abenden kommen manchmal zwischen geistig Interessierten Diskussionen zustande, wie sie früher nur selten möglich waren. [...]"

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Ernst Ostertag, Dezember 2004