Versammlung 1954

Aus dem Protokoll vom 6. Februar 1954

Versammlungsprotokolle und Jahresberichte sind 1999 im Nachlass Eugen Laubacher / Charles Welti gefunden worden. Leider waren nur die Protokolle der Jahre 1954 bis 1956 vorhanden. Sie sind etwas umfassender, als die im Heft erschienenen "Jahresberichte" und geben deshalb einen besseren Einblick in den Lesezirkel, seine Zeitschrift und die Lebenssituation der Abonnenten von damals1.

Werner Schüpbach / Roly, Roli, 1954

Werner Schüpbach / Roly, Roli, 1954

Werner Schüpbach / Roly, Roli als Herold am Herbstfest 1954. Verliest die Begrüssung der englisch sprechenden Gäste. Quelle: Schwulenarchiv Schweiz, sas, Zürich.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: DER KREIS, sas, Zürich
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz, sas, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 3237
Werner Schüpbach / Roly, Roli als Herold am Herbstfest 1954

Die Versammlung fand im Restaurant Eintracht, Zürich 1, statt und das Protokoll verfasste Werner Schüpbach unter seinem Pseudonym Roly oder Rolly. Er war der Lebenspartner des damaligen Kassiers Walter Neuburger / Gauthier. Die beiden lernten sich am KREIS-Sommerfest 1945 kennen und lebten zusammen in Zürich bis zu Walters Tod im Sommer 2012 . Walter blieb bis 1958 Kassier und wurde dann von Eduard Meyer / André abgelöst, der bereits seit 1944 als Rechnungsführer mithalf.

Zu Punkt 3. Jahresbericht 1953, verfasst und vorgelesen von Karl Meier / Rolf:

"[...] Erfreulicherweise dürfen wir in Bezug auf die Zeitschrift und die Abonnentenzahl eine anhaltende Entwicklung feststellen. [...] Ihre Dreisprachigkeit hat ebenfalls grossen Wiederhall gefunden und bringt uns Abonnenten aus verschiedensten Ländern [...]. Die Mitarbeit auf übernationaler Basis ist sehr wichtig [...]. Sie bringt natürlich eine grössere Arbeitslast [...] mit sich. [...] Der Bezug von neuen Büroräumen [an der Mühlebachstrasse im Seefeld] wird hoffentlich angenehmere Arbeitsbedingungen schaffen. Im weiteren spricht Rolf über die Gestaltung unserer Klubabende, die sich nicht nur im Tanzen erschöpfen sollten. Im verflossenen Jahr fanden wenige Vorträge statt und die beiden literarischen Abende hatten nachhaltigen Erfolg, was [...] zu weiteren solchen Darbietungen ermuntern sollte. Zum Schluss möchte ich Rolfs Bitte wörtlich wiedergeben: Helfen Sie weiter und wer irgendwie kann, nicht nur mit dem Abonnement, sondern auch mit Rat und Tat, wo es irgend möglich ist, damit aus einer Abonnentenvereinigung immer mehr eine starke Kameradschaft werde!"

Zu Punkt 5. Kassabericht:

"Jost stellt die Anfrage, ob es überhaupt notwendig sei, Bücher zu führen und zu verkaufen. Rolf dankt und erklärt, dass es Gauthier/Walter und Rolly Freude bereite, Bücher zu vermitteln. Es gehen immerhin viele Bestellungen ein. Der Verkauf erstreckt sich nur auf die Schweiz, mit Ausnahme von Prof. Kinsey, der einer der grössten Abnehmer ist. Charles [Eugen Laubacher / Charles Welti] bemerkt, dass diese Büchervermittlung immerhin eine sehr grosse Einnahmequelle darstellt, die wir allein Walter und Rolly zu verdanken haben. Ein Wegfall des Bücherverkaufs würde sich zu ungunsten der Zeitschrift auswirken."

Zu Punkt 6. Baufonds:

"Charles erklärt, dass keine Stiftung errichtet werden könne, weil die Summe viel zu klein sei. Er empfiehlt die Äufnung eines Fonds. Jost (der erste Spender) ist einverstanden. Rolf lässt abstimmen. Keine Gegenstimme. Somit steht fest, dass [...] ein Fonds auf einer Bank angelegt wird. [...] Charles stellt fest, dass mit einem Bau erst begonnen werden kann, wenn einmal eine Stiftung besteht, [...]."

Ein "Baufonds" wurde von Eugen Laubacher / Charles Welti angeregt, damit ein eigenes Klublokal für den KREIS und sein Büro erworben oder erstellt werden könnte. Eine gute Idee, die den späteren Zusammenbruch in der Repression vermieden hätte. Verwaltet wurde der Baufonds von Abonnent Walter Baumann, der ein Gärtnergeschäft führte und ein Sonderkonto "Baufonds" errichtete. Der Baufonds kam jedoch nie auf eine genügend grosse Summe. Dem Heft 3/1954 waren auf dem Kleinen Blatt die Satzungen des Baufonds beigelegt (s. "Baufonds").

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Ernst Ostertag, Dezember 2004

Weiterführende Links intern

Eugen Laubacher / Charles Welti

Quellenverweise
1

Der ganze Nachlass Eugen Laubacher befindet sich heute im Schwulenarchiv Schweiz (sas).