Berühmte Homoeroten

Michelangelo: hl. Sebastian

Michelangelo: hl. Sebastian

Michelangelo Buonarotti: Der heilige Sebastian. Detail aus dem Fresco 'Jüngstes Gericht' in der Sixtina, Vatikan, 1536-1541.

Urheber
Maler: Michelangelo Buonarotti
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© erloschen
Sammlungs Nr.
ID: 2022
Michelangelo Buonarotti: Der heilige Sebastian

Nummer 3/1964 war Michelangelo Buonarrotti zu seinem 400. Todestag am 18. Februar gewidmet und enthielt u.a. die Novelle "Tommaso Cavalieri" von Ernst Penzoldt1, einen Kommentar von Karl Meier / Rolf "Über einen Titanen"2, einen französischen Essay "Michel-Ange" von Gérard Doscot3 und zwei Michelangelo-Sonette in französischer Übersetzung4. Natürlich war das Heft mit Abbildungen von Werken des Meisters illustriert. So auch mit dem heiligen Sebastian aus dem "Jüngsten Gericht", weil die Legende erzählt, es handle sich dabei um ein Portrait des Geliebten Tommaso Cavalieri, an den Michelangelo auch etliche seiner Sonette gerichtet hatte.

Anderen berühmten Homosexuellen wurde regelmässig zu ihren Geburts- oder Todesjahren gedacht und sie und ihr Werk den Abonnenten vorgestellt, natürlich mit Betonung der homoerotischen Komponenten besonders dann, wenn es sich um weniger bekannte Männer handelte oder um solche, deren eventuelle homoerotische Veranlagung umstritten war. So war etwa das August-Heft 1947 Ludwig van Beethoven (1770-1827) gewidmet mit einem Essay von "Milon" unter dem Titel "Beethoven, Versuch einer Deutung seines Lebens"5.

Ein typisches Beispiel lag mit Heft 10/1954 vor, einer Sondernummer "Zum hundertsten Geburtstag von Oscar Wilde, am 16. Oktober 1954": Auf der Titelseite erschien die bekannte Fotografie von Wilde und dem jungen Lord Alfred Douglas, 1894. Der deutsche Teil brachte Berichte, Begegnungen, Aufsätze und Stellungnahmen aus längst vergriffenen Büchern über Oscar Wilde, darunter auch Worte von ihm selbst wie:

"Die Obrigkeit allein schon zerstückelt die Persönlichkeit, da sie den einzelnen zwingt, sich anzupassen - eine neue Art der raffiniertesten Barbarei."

Ein Gedicht von Lord Douglas "An Oscar Wilde" beendete diesen ersten deutschen Teil. Den französischen Abschnitt eröffnete ein Aufsatz des österreichischen Schriftstellers Franz Blei "In memoriam Oscar Wilde", übersetzt von "Tibert". Es folgten einige Kapitel aus "De Profundis". Im englischen Teil erschienen die "Poems in Prose" und den Abschluss machte - wieder auf deutsch - eine Buchbesprechung "Das ungewöhnliche Leben von Oscar Wilde"6. Sie endete mit dem Satz7:

"In seltenem Ausmass bewahrheitet sich an Oscar Wildes Persönlichkeit der Satz Shakespeares: Ein Mann, an dem mehr gesündigt, als er sündigte."

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Ernst Ostertag, Februar 2005

Quellenverweise
1

Der Kreis, Nr. 3/1964, Seite 2

2

Der Kreis, Nr. 3/1964, Seite 12

3

Gérard Doscot / R.G.D.: Der Kreis, Nr. 3/1964, Seite 31, "Michel-Ange"

4

Der Kreis, Nr. 3/1964, Seite 34

5

Der Kreis, Nr. 8/1947, Seite 2

6

Erich Ebermayer, Das ungewöhnliche Leben von Oscar Wilde, Athenäum Verlag, Bonn

7

A. Kr., Frankfurt a/M, Der Kreis, Nr. 10/1954, Seite 36