ab 1956

Barfüsser-Bar, Zürich

In der Barfüsser-Bar, um 1957

In der Barfüsser-Bar, um 1957

Zwei KREIS-Abonnenten in der Barfüsser-Bar 1957, zur Zeit eines Maskenballs. Quelle: Schwulenarchiv Schweiz, sas, Zürich.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: DER KREIS, sas, Zürich
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz, sas, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 3243
Zwei KREIS-Abonnenten in der Barfüsser-Bar 1957, zur Zeit eines Maskenballs

Der Barfüsser war immer eine Bar mit Restaurationsbetrieb (kleineres Spezialitätenangebot) und ist das noch heute. Den Namen verdankt er seiner Adresse und der Besonderheit des ursprünglichen Hauses an der Spitalgasse: Denn es gehörte zum nahen Barfüsserkloster (heute Predigerkirche) und diente den barmherzigen Brüdern als Pilger-Herberge und Obdach für Kranke, die sie dort pflegten. Mit der Reformation verliessen die Mönche Zürich, nur die Erinnerung blieb und der Name.

Im August 1956 öffnete der Barfüsser nach dreimonatigem Umbau. Die Leitung war neu. Sie stellte einen Kellner ein und dieser - er war schwul - brachte seine bisherige Kundschaft mit. Rasch entwickelte sich der Betrieb zum Treffpunkt für alle, homosexuelle Frauen und Männer jeden Alters, Transvestiten, Hetero-, Bisexuelle und später auch Lederkerle. Niemand blieb ausgesperrt.

Die Nähe zum KREIS-Lokal am Neumarkt bewirkte ein stetes Hin und Her, zumindest an den grossen Festanlässen. So etablierte sich der Barfüsser in kurzer Zeit als eine Art zweiter Treffpunkt von Kreis-Abonnenten. Es gibt viele Erinnerungen an diese vier Jahre, auch ein "persönliches Zwischenspiel".

Nachdem der KREIS durch ein städtisches Tanzverbot 1960 sein Lokal verloren hatte, traf man sich trotz Polizei-Razzien erst recht im Barfüsser und liess es dort hoch zu und her gehen. Jeder trug nun seinen Ausweis bei sich, viele waren bereits registriert, man hatte nichts mehr zu verlieren. In den 70er und 80er Jahren, also nach der Repression, wurde es ruhiger, aber ein beliebter Treffpunkt blieb der Barfüsser durch seine ganze spätere Geschichte bis zum 50. Jubiläum und weiter.

Nach oben

Ernst Ostertag, Januar 2013