Treffpunkt für alle

... besonders für Leute vom KREIS

Der "Barfüsser" als bald weit herum bekannter Treffpunkt für Homosexuelle beiderlei Geschlechts war im Mai 1956 von Albert und Ella Zimmermann gemietet und nach einem Umbau im August eröffnet worden. Dem Kreis-Heft 8/1956 lag eine graue Karte als Anzeige bei:

Neu-Eröffnung ca. 15. August, Kloster-Keller, Bar-Restaurant BARFÜSSER, Albert Zimmermann, Spitalgasse 14, Zürich 1

Dazu war ein bärtiger Barfüssermönch zu sehen samt Hut, Wanderstab, einem Strick um den Bauch mit Rosenkranz und Trinkflasche dran. Er war das Signet und Wirtshausschild zugleich. Denn die nahe Predigerkirche war vor der Reformation ein Kloster des Barfüsser-Ordens und das ursprüngliche Haus mit der heutigen "Barfüsser-Bar" diente als Pilger- und Krankenhospiz (daher die Adresse Spitalgasse).

Da diese Bar nur wenige Gehminuten von der "Eintracht" am Neumarkt entfernt war, gab es bereits während des Herbstfestes 1956 ein Hin und Her von Gästen zwischen beiden Lokalen. Später wurde das zur Gewohnheit.

Viele Junge unter 20 und etliche Frauen, die alle im KREIS nicht zugelassen waren, hörten sich die Anekdoten und Berichte an und nahmen sozusagen als Zaungäste an den Festprogrammen mit ihren Glanzpunkten teil. Minderjährige hatten wenigstens im "Barfüsser" ein Bleiberecht. Mann traf sich in Sitznischen und an der halbrunden Bar jenes "hinteren" Teils, dessen Ausgang in die Brunn-Gasse führt, während "vorn" beim Eingang Spital-Gasse mit Tischchen, Stühlen und langgestreckter Bar die Lesben ihr Refugium hatten. Wie heute ging die Bartheke von vorn bis hinten durch und verband die beiden Teile.

Im "Barfüsser" gab es von Anfang an zu den Anlässen im KREIS parallel geführte und bald eigenständige festliche Zusammenkünfte, besonders in der Fastnachtszeit.

Als öffentlich zugängliches Lokal war der "Barfüsser" kein Ghetto. Alle, ob Männer, Frauen, Homo-, Hetero-, Bisexuelle, Transgender, Transvestiten oder Lederkerle waren willkommen. Jeder Festtag liess sich im "Fuess", wie er liebevoll genannt wurde, üppig und unverkrampft feiern und mit dem Ende des KREIS in der "Eintracht", 1960, erst recht.

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Ernst Ostertag, Mai 2005