1966-1974

Conti-Club, Zürich

... ein Kind des KREIS

Club 68 Show 4

Club 68 Show 4

November 1970 im Conti-Club: 'die club 68 show'. Quelle: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich, Nachlass Karlheinz Weinberger.

Urheber
Fotograf: Karlheinz Weinberger / Jim, ZH
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© Patrik Schedler, Warth (TG)
Sammlungs Nr.
ID: 0313
November 1970 im Conti-Club: 'die club 68 show'

Die Vorgeschichte begann 1963 mit einem geplanten Neubau der Firma Plüss, die auch den Kreis druckte. Karl Meier / Rolf erwirkte dabei einen Vorvertrag für ein Club-Lokal, das nach Ende der Bauzeit einzurichten wäre. Er orientierte darüber in der Zeitschrift.

Im Februar 1966 konnte der Conti-Club in der obersten Etage der Köchlistrasse 15 im Kreis 4 mit einer zweitägigen Eröffnungsfeier eingeweiht werden. Dieses Stockwerk stand so lange mietweise zur Verfügung, bis das Druckerei-Unternehmen Plüss es selber benutzen würde. Als verantwortlicher Leiter des Conti-Clubs wurde der Abonnent Fredy Lohner / Fredy eingesetzt, während Karl Meier / Rolf persönlich für den definitiven Mietvertrag zeichnete.

Damit hatte der KREIS wieder ein eigenes Lokal, in dem auch getanzt werden durfte. Geöffnet war der Club mittwochs von 20.00 bis 23.30 Uhr und samstags eine halbe Stunde früher. Anfänglich gab es einen Automaten für alkoholfreie Getränke, alles andere musste man selber mitbringen, Gläser und Tassen waren vorhanden.

Der Conti-Club, so war die Hoffnung, sollte dem KREIS Zürich neuen Auftrieb verschaffen. In bescheidenem Rahmen wurden Maskenball, Herbstfest, Chlaus- und Weihnachtsfeiern und der Silvesterball wieder möglich. Dennoch, Trauer über das Verlorene, die "guten alten Zeiten", und Wut gegenüber Polizei, Politik, Gesellschaft bestimmten noch lange fast alle Gedanken und Gefühle. Die Repression war weiterhin aktiv und bedrohlich, auch wenn das Tanzverbot nun stillschweigend aufgehoben war. 

Nach der Eröffnungsfeier entwickelte sich durch das ganze Jahr 1966 ein normaler Clubbetrieb wie seinerzeit in der "Eintracht" am Neumarkt. Zu Silvester sprengte der Andrang den verfügbaren Raum beinahe.

Die folgenden Unterkapitel "1967", "1969 und 1970" schildern besondere Ereignisse im Conti-Club als Teil des KREIS und nach 1967 unter anderer Leitung weiterhin alles, was noch von ehemaligen Kreis-Abonnenten angeboten und durchgeführt wurde. Dazu gehörten auch Programme mit Karl Meier / Rolf. Das letzte fand im Oktober 1970 statt.

Ab 1968 war - in Nachfolge des KREIS - die neue Organisation mit dem Namen Club 68 für den Conti-Club zuständig. Fredy Lohner trat zurück und an seine Stelle wurde im März eine neue Leitung gewählt, die zunächst einen sanften Umbau vornahm und den Club im Sommer mit einem Fest wieder eröffnete.

Rasch zeigte sich, dass ein wirklich umfassender Umbau notwendig war, um den ganzen Betrieb mit seinen wachsenden Besucherzahlen sicher und effizient zu führen. Das konnte 1969 realisiert werden. Nun gab es eine Bar, die u.a. zur Anlaufstelle für "Interessenten" wurde. Die Behörden agierten kooperativ und erteilten Freinacht-Bewilligungen für Festanlässe. Nur die Anwohner waren zunächst feindlich, besänftigten aber ihr Gemüt nach einer speziellen Informations- und Begrüssungs-Aktion.

Jetzt starteten professionelle Programme mit Club-eigenen Darstellern und mit bekannten Gästen aus dem Kleintheater-, Show- und Musikbetrieb. 1970 öffnete sich der "Conti", wie er meist genannt wurde, auch für Frauen. Zunächst trafen sie sich separat an einem eigenen Abend, später mischten sie sich mehr und mehr ins Männerpublikum.

Im Frühjahr 1972 kam es zur Wahl einer neuen, kollektiven Führung aus Männern und Frauen. Ein Jahr zuvor war der verantwortliche Verein Club 68 zur SOH (Schweizerische Organisation der Homophilen), also einer gesamtschweizerischen Organisation geworden. Ihr gehörten weitere Club-Betriebe wie die Isola Basel und der Ursus-Club Bern in gleicher Weise an wie der Conti-Club. Durch die von den Clubs gelieferten finanziellen Beiträge konnte die SOH ihre politisch-emanzipatorischen Tätigkeiten durchführen. Ab 1973 gab es nur noch gemischte Conti-Programme für Frauen und Männer. Ein Versuch der Öffnung auch für Heterosexuelle misslang; sie blieben aus. Das war wohl noch zu früh, obwohl der Conti für sein trendiges Rock-Programm weit herum bekannt war. 1974 kam das Aus. Der Vermieter kündigte den Vertrag, weil er die Lokalität selber benötigte.

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Ernst Ostertag, März 2006 und Januar 2013

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