Erinnerungen

… von Nico Kaufmann

Mary-Bar, Postkarte

Mary-Bar, Postkarte

Postkarte der Mary-Bar, um 1955. Augustinerstrasse 14, Zürich. Quelle: Sammlung Rapp/Ostertag, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Urheber: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Sammlung Rapp/Ostertag, Schwulenarchiv Schwei
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 3148
Postkarte der Mary-Bar, um 1955
Mary-Bar, Postkarte, Rückseite

Mary-Bar, Postkarte, Rückseite

Postkarte der Mary-Bar, Rückseite. Mit Signatur 'Mary Lang', um 1953/1954. Quelle: Sammlung Rapp/Ostertag, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Urheber: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Sammlung Rapp/Ostertag, Schwulenarchiv Schwei
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 3147
Postkarte der Mary-Bar, Rückseite

Der Pianist und Komponist Nico Kaufmann zeichnete in seinen Memoiren ein Porträt der Bardame Mary1:

"Besondere Freude hatte ich, wenn es hiess, wir gehen in den Grill-Room des Hotels Baur au Lac. Dort führte Mary Lang als Maîtresse d'hôtel das Szepter. [...]

Viel später [begegnete ich ihr wieder], als ich als regelmässiger Gast in ihrem nach ihrer Tätigkeit im Baur au Lac eröffneten eigenen, schliesslich weltbekannten Lokal 'Mary's Old Timers' auftauchte.

Mary Lang war bis ins hohe Alter von über neunzig Jahren noch anwesend, meistens zwar hinter den Kulissen, das heisst, in dem der Bar gegenüber liegenden Wohn- und Esszimmer. Sie war eine resolute, witzige Persönlichkeit, eine sehr gepflegte Erscheinung, die ihr goldblondes Haar bis zuletzt noch täglich zu einem wunderbaren Gebilde von Löckchen coiffieren liess. Ihre Augen waren meist zugekniffen, blinzelnd. Sie behauptete, fast nichts mehr zu sehen, erkannte ihre Gäste aber sofort und sah den kleinsten Fleck an der Barstange, entdeckte jeden nicht geleerten Aschenbecher.

Pünktlich um Mitternacht erschien sie jeweils wieder, um abzurechnen. An der Wand hinter der Bartheke befand sich eine alte mechanische, mit einer Handkurbel zu bedienende Registrierkasse, bei der oben hinter einer Glasscheibe die eingetippten oder errechneten Zahlen erschienen. Mit einer Serviette verdeckte Mary diese Zahlen, damit die Gäste die Summe der Tageseinnahmen nicht zu sehen bekamen."

Ernst Ostertag, Juni 2006

Weiterführende Links intern

Nico Kaufmann

Quellenverweise
1

Nico Kaufmann: Memoirenfragmente, Seite 12, "Meine Jugend in Zürich"