Internationaler Treffpunkt

Zwei GI's

Zwei GI's

Zwei amerikanische Soldaten (GI). Pressefoto: 'Kameradschaft', aufgenommen in der Schweiz. Veröffentlicht im 'Kreis', 2/1946, Seite 11.

Urheber
Urheber: Presse-Foto
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0079
Zwei amerikanische Soldaten (GI)
Taschentuch

Taschentuch

Taschentüchlein der Mary-Bar. Vermutlich ein Kundengeschenk mit der gestickten Bar und Schrift 'from Mary of Zürich', wohl späte 40er/frühe 50er Jahre. Quelle: Sammlung Beat Frischknecht, Zürich.

Urheber
Urheber: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: unbekannt, Sammlung Beat Frischknecht, Zürich
Rechte
© Beat Frischknecht, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 3193
Taschentüchlein der Mary-Bar
Souvenir-Karte, Rückseite

Souvenir-Karte, Rückseite

Eine Souvenir-Karte mit Widmung, Rückseite. Mit der persönlichen Widmung 'a Souvenir from Mary Lang'. Quelle: Sammlung Beat Frischknecht, Zürich.

Urheber
Urheber: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: unbekannt, Sammlung Beat Frischknecht, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 3194
Eine Souvenir-Karte mit Widmung, Rückseite

Ursprünglich war die kleine Bar wohl ein Zimmer mit zwei Fenstern. Darin dominierte die lange Theke, welche auch an den Stirnseiten Platz bot. Zudem gab es Sitzplätze um ein paar kleine Tischchen unter den Fenstern. Alle Wände waren voll von signierten GI-Fotos1 und britischen wie US-Uniformabzeichen. Eine Flagge der Royal Air Force hing an der Decke und das Stars and Stripes-Banner zierte die Theke.

Denn nach 1945 machte Mary ihr Lokal zum bekannten Treff von Soldaten und Offizieren der Alliierten Besatzungstruppen, die aus Deutschland oder Italien kamen, um in der Schweiz ihre Urlaubszeiten zu verbringen. Jeder Uniformierte kriegte seinen Welcome-Drink "on the house", und wer ein Abzeichen, ein Bild oder sonst ein Erinnerungsstück zurückliess, erhielt einen zweiten.

Schon bald kehrten die Ehemaligen, besonders die Homosexuellen unter ihnen, als Feriengäste zurück und frischten Erinnerungen auf. Oft kamen sie über Jahre hinweg regelmässig wieder, quasi als "Overseas Associate Members". Daher der Name Old Timers, dem gelegentlich noch die Bezeichnung "Overseas Club" beigegeben wurde. Und das liess Mary schliesslich über der Haustüre anbringen.

Natürlich gab es auch Bardamen, eine oder zwei, die über Jahre hinweg dieselben blieben. Sie kannten die allermeisten Gäste, waren absolut diskret und besorgten das ganze Geschäft, auch das Putzen und Lüften am Nachmittag. Die letzten hiessen Louise und Hedi.

Die nie veränderten Dekorationsstücke waren vom Tabakrauch vergilbt und trugen viel zum besonderen Duft und zur Wohnlichkeit dieses heimlichen Refugiums bei. Das Licht war gedämpft und aus kleinen Lautsprechern in den Ecken rieselte, mit Unterbrüchen, gleichfalls gedämpfte Musik. Mary besass kaum mehr als vierzig kleine 78-tourige Schellackplatten von mehr oder weniger gängigen Schlagern, die sie in ihrem Zimmer zu fünf oder sechs Stück über den Teller des Grammophons schichtete. So erklangen für eine gute Weile jene typischen Weisen, die zum Lokal gehörten und es unvergesslich machten.

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Ernst Ostertag, Juni 2006

Anmerkungen
1

GI oder GIs wurden die Miliz-Soldaten der US Armee genannt. Der Ursprung des Begriffs ist nicht sicher festgelegt. Es gibt Daten von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die ausgeschriebene Bedeutung des Kürzels ist ebenso unsicher. Dazu existieren die verschiedensten Varianten wie beispielsweise "Galvanized iron". Als Kürzel "GI" zunächst auf allen Metallteilen der Ausrüstung eingepunzt, wurde es später auf sämtliche Buchhaltungsposten der US-Armee übertragen. Zuletzt blieb es an den Soldaten selbst hängen. Die meist genannte Erklärung lautet: "Government issue" oder "General issue" ("von der Regierung ausgestellt", "von der Regierung ausgerüstet"), was auf allen Armeematerialien aufgedruckt stand. Von dort übertrug sich die Kurzform "GI" auf die Soldaten.