1884-1977

Mary Lang

… und ihr exklusives Konzept einer reinen Herrenbar

Mary Lang vor ihrer Bar

Mary Lang vor ihrer Bar

Mary Lang, 1884-1977, vor ihrer Old Timers Bar. Aufgenommen an ihrem 90. Geburtstag, 20.03.1974.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Sammlung E. Ostertag/R. Rapp, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0080
Mary Lang, 1884-1977, vor ihrer Old Timers Bar

Geführt wurde die kleine Bar am oberen Ende der Augustinergasse Nummer 14 von der legendären Maria Lang (1884-1977).

Mary, wie sie sich immer nannte, kam aus dem luzernischen Hitzkirch und hatte lange Zeit als Maîtresse d'hôtel im Grill-Room des Hotels Baur au Lac gewirkt, also an erster Zürcher Adresse. Für die eigene Bar, die sie um 1935/1936 übernahm, entwickelte sie das Konzept einer reinen Herrenbar im Sinn einer typisch angelsächsischen Tradition. Es war das einzige Lokal dieser Art in Zürich.

Nach Forschungen, die Beat Frischknecht 2011 unternahm, ist die Bar allerdings bereits 1931 eröffnet worden durch den Barkeeper und Wirt Hans Fopp, der im März 1936 mit seiner Frau nach Davos-Dorf zog, um das Sport-Hotel Parsenn zu übernehmen, das noch heute von seinen Nachkommen geleitet wird.

In der Buchreihe "Was nicht im 'Baedeker' steht" (Piper-Verlag, München) ist 1932 der Band "Das Buch von der Schweiz - Ost und Süd" erschienen mit einem Kapitel über bekannte Zürcher Lokalitäten. Darin heisst es unter anderem:

"Übrigens besitzt Zürich als erste Stadt Europas ein echt amerikanisches Speak-easy. Hans Fopp's 'Old Timer's Saloon' hinter der Augustinerkirche. Es ist kein öffentliches Restaurant, manchmal geht es darin ziemlich überseeisch zu, Damen sind jedenfalls nicht erwünscht."

Offenbar hat Mary Lang ein bestehendes Konzept übernommen und dieses mit der Änderung des Namens in "Mary's Old Timers Bar" weiter ausgebaut. Sie führte ein strenges Regime. Niemanden liess sie ein, den sie nicht kannte oder der nicht von einem ihrer Stammgäste eingeführt wurde. Stricher hatten keine Chance.

Die Bar erreichte man, wie das heute am selben Ort bestehende Ladenlokal auch, über eine kurze Treppe zur Haustüre, die leicht zu öffnen war. Dahinter stand man in einem Korridor. Die Türe rechts führte zu Mary's Wohnzimmer, jene links zur Bar. Wer den Klingelknopf, mit "Bar" angeschrieben, drückte, wurde durch einen Spion begutachtet. Dann war ein Klicken zu hören, die Tür gab nach - oder man hörte nichts und sie blieb hartnäckig verschlossen auch nach mehrmaligem Klingeln. Stammgäste kannten den Trick: festes Drücken und Klingeln gleichzeitig verschaffte Einlass. Doch mit dem Klingeln war man angemeldet und alle im Raum musterten den Neuling.

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Ernst Ostertag, Juni 2006