1960

Stricher-Zentrum: Zürich

... Sensationsbericht der TAT: "Im Sumpf der grossen Stadt"

Sensationsbericht

Sensationsbericht

Sensationsbericht, 'Die TAT', 27.6.1960.

Urheber
Redaktor: So
Herausgeber
Besitzer: Die TAT
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0409
Sensationsbericht, 'Die TAT', 27.6.1960

Die TAT vom 27. Juni 1960 brachte unter der Rubrik "Zürich" einen Artikel mit der Überschrift "Im Sumpf der grossen Stadt" und fügte den Untertitel "Zürich internationales Zentrum der Strichjungen" bei.1 Dieser Artikel setzte sachlich einwandfreie Berichterstattung an den Anfang, steigerte sich dann aber zu einem Elaborat von Aufhetzung und gezielter Verleumdung. Gezeichnet war er mit dem Kürzel "Sa". Daraus einige Abschnitte:

"Vor wenigen Tagen holte die Stadtpolizei Zürich zu einem Schlag gegen das Halbstarkentum aus und führte zu diesem Zwecke 91 Personen auf die Hauptwache. [...] Die 'Ausbeute' dieser Polizeiaktion, über deren Bedeutung die Meinungen auseinander gehen, war eher gering und bald einmal stellte sich die berechtigte Frage, ob die Polizei nicht besser gegen die zahlreichen jugendlichen Strichjungen vorgegangen wäre, die als Parasiten der menschlichen Gesellschaft sich durchs Leben schlagen. [...]

Bei den folgenden Ausführungen handelt es sich nicht um eine generelle Kampfansage gegen die Homosexualität, sondern um eine Eindämmung der lasterhaften Auswüchse, wie sie in Zürich immer deutlicher hervortreten und eine ernste Bedrohung der öffentlichen Sittlichkeit darstellen.

Nach zuverlässigen Schätzungen gibt es in Zürich mehrere hundert Strichjungen, von denen nahezu die Hälfte unter zwanzig Jahre alt ist. [...] Es ist ersichtlich, dass sich die Strichjungen zu einem grossen Teil aus Jugendlichen und Minderjährigen, ja sogar aus Schülern rekrutieren, die am freien Nachmittag sich im Zürcher Niederdorf aufhalten und durch unzüchtige Handlungen mit Männern ihr Taschengeld verdienen."

Im Folgenden wurde in Beispielen von einzelnen dieser Stricher und von Freiern berichtet, die sogar aus dem Ausland ins Zürcher Milieu anreisten, "um sich hier durch Strichgang etwas Geld zu verdienen" oder für eine Nacht einfliegen, um "beim Alpenquai auf die Suche nach einem Strichjungen" zu gehen. Auch Hinweise auf den Mörder von Oboussier und andere ähnliche Täter fehlten nicht. So sei es klar, "dass das Strichjungentum lediglich eine Vorstufe der Kriminalität" darstelle.

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Ernst Ostertag, Oktober 2005

Quellenverweise
1

Die TAT, 27. Juni 1960, Seite 4