1961

Neuer Mordfall

... unaufgeklärt

Zeitungsartikel

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Zeitungsartikel über einen neuen Mord in Zürich. TA, 5.12.1961, Nr. 286.

Urheber
Redaktor: ff
Herausgeber
Besitzer: Tages-Anzeiger
Rechte
© Tages-Anzeiger
Sammlungs Nr.
ID: 0416
Zeitungsartikel über einen neuen Mord in Zürich

Am Sonntagnachmittag, 3. Dezember 1961 wurde der 35-jährige Zürcher Briefträger Heinrich Gähler in seiner Wohnung erdrosselt. Es war rasch klar, dass es sich einmal mehr um ein Kapitalverbrechen im Männermilieu handeln musste. Dieser dritte Fall wurde nie aufgeklärt. "Das Verfahren betreffend Mord an Heinrich Gähler wurde 1964 vorläufig eingestellt, was auch bedeutet, dass der Täter nicht gefunden wurde", lautete der Bescheid des Staatsarchivs Zürich vom 8. November 2005. Und die Anfrage im Stadtarchiv Zürich am 11. November 2005 ergab zusätzlich:

"[...] dass der Fall nicht aufgeklärt wurde. Indiz dafür ist eine Telexmeldung [...]. Darin teilt die Kantonspolizei Zürich am 28. Januar 1976 an die Interpol Suisse zu Handen der Interpol London mit, dass das Tötungsdelikt an Heinrich Gähler noch nicht aufgeklärt und die Fahndung weiterhin offen sei."

Seit der Aktion "Doppelpunkt" vor 13 Monaten gab es keine spektakulären Razzien im "Männermilieu" mehr. Die Polizei hatte sich stattdessen Jugendlicher angenommen, die das Knabenschiessen 1960 gestört hatten und wollte ähnliche Vorkommnisse im Keim ersticken. So berichtete der Tages-Anzeiger vom 12. September 1961: "Nach den schlechten Erfahrungen des letzten Jahres" ging nun die Polizei massiv "gegen randalierende Jugendliche" vor. Selbst

"die Waldränder wurden gut überwacht und mit Hunden abgesucht. Stadtrat Sieber überzeugte sich nach Mitternacht persönlich von den in der näheren Umgebung des Albisgüetli getroffenen Massnahmen."

Dieselben Methoden wurden wenig später an denselben Orten bis hinunter zur Allmend Brunau angewandt, um dort zirkulierende homosexuelle Spaziergänger einzutreiben. So berichteten verschiedene unserer Freunde mehrmals und es war selbst 1966 im Conti-Club noch ein Thema.

Ernst Ostertag, November 2005