1963

Erläuterungen

... von Prof. Schuppli, Basel: "Nur noch eingeschleppte Fälle"

Rudolf Schuppli

Rudolf Schuppli

Prof. Dr. med. Rudolf Schuppli. Er war 30 Jahre Leiter der Dermatologischen Universitätsklinik Basel und wurde hoch geachtet für seine volksnahen Konzepte für Gesundheit und Prävention.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Sammlung E. Ostertag/R. Rapp, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0732b
Prof. Dr. med. Rudolf Schuppli

Interview mit Prof. Schuppli in der Zürcher Woche:

"Frage: Herr Professor, man spricht davon, dass die Geschlechtskrankheiten auch bei uns wieder zugenommen haben. Wie stark ist diese Zunahme überhaupt?

Prof. Schuppli: Sie ist - sagen wir einmal - nicht erschütternd. Die Gonorrhöe ist statistisch nicht mehr erfassbar, weil sich viele Betroffene einer einfachen Behandlung durch einen praktischen Arzt unterziehen. Die Syphilis ist wieder im Zunehmen. 1955 hatten wir beispielsweise in Basel drei Fälle, gegenwärtig etwa 20 bis 30 pro Jahr. Die Zunahme ist aber nicht akut, sondern eher konstant. Alarmierend war sie vor etwa zwei bis drei Jahren. Damals haben wir in Basel festgestellt, dass 10 bis 15 Prozent der untersuchten Homosexuellen von der Krankheit betroffen waren. Genau dasselbe Bild ergab sich in Zürich.

Frage: Halten Sie die Polizeiaktionen, wie sie jetzt wieder in Zürich durchgeführt wurden, für ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Geschlechtskrankheit?

Prof. Schuppli: [...] In Basel sind wir völlig ohne Polizeimassnahmen ausgekommen: Wir haben im Einverständnis mit der Polizei und unter tatkräftiger Mitarbeit der Basler Gruppe der HS-Vereinigung DER KREIS eine Aktion gestartet. Der Vereinszeitschrift liessen wir ein Merkblatt sowie eine Karte beilegen, mit der sich jedermann bei einem Facharzt zur Untersuchung melden konnte, ohne Fragen befürchten zu müssen. Diese Karten gelangten an alle Kreis-Abonnenten in der ganzen Schweiz, aber eigentlich richtig haben nur die betreffenden Basler Kreise mitgemacht. Der Erfolg ist überzeugend: in Basel haben wir heute nur noch eingeschleppte Fälle von Syphilis. [...]"

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Ernst Ostertag, November 2005