Erste Hinweise

... in der Zeitschrift club68

Im Juli 1970 berichtete club68 über eine Demonstration in New York zur Erinnerung an die Vorfälle, Demos und Aufstände vom 27. bis 29. Juni 1969.1 Es war von einer "Fröhlichen Befreiungsfront" die Rede, weil der im Original gebrauchte Name der Organisation, Gay Liberation Front, noch nicht richtig verstanden wurde. "Gay" war ein Begriff, den sich amerikanische und britische Schwule und Lesben gemeinsam gegben hatten. Jetzt wurde er zum ersten Mal offiziell verwendet.

Besonders wichtig, und was zu erwähnen vergessen ging, es nahmen an diesem ersten Jahrestag im Central Park je nach Schätzung zwischen 5000 und 10'000 Homosexuelle teil. So viele von ihnen hatte man noch nie zuvor versammelt gesehen.

Ein knappes Jahr später hatte man bei uns die Bedeutung des Geschehens erkannt. Im März erschien ein Kurzbericht mit dem Titel: "1971 - Amerikas Sommer soll noch heisser werden".2 Dort schrieb ein Mitarbeiter der club68-Redaktion unter dem Kürzel "og.":

"Es begann im Juni 1969. Mit den ersten HS-Krawallen, nachdem die für ihre Rücksichtslosigkeit und Härte bekannte Polizei von New York wieder einmal auf die 'gays' losgezogen war. Aber sie stiess auf nicht minder hartnäckigen Widerstand. Anstatt sich unter den Gummiknüppeln zu krümmen, strömten zornige Männer und Frauen aus allen Richtungen daher und prügelten sich mit den aus der Fassung geratenen Gesetzeshütern. Das war man sich von den schwulen Weichlingen nicht gewöhnt.

Die Unruhen dauerten mehr als eine Woche. Zur Verblüffung des Kontinents. Seither haben sich eine ganze Anzahl militante HS-Gruppen organisiert mit Namen wie 'Gay Liberation Front', 'Gay Activist Alliance'. Das deutet weitere Kampfbereitschaft an.

Am 28 Juni 1970 bereits marschierten fünftausend Homosexuelle die Sixth Avenue zum Central Park hinauf, forderten Gleichberechtigung und soziale Anerkennung. Und für den 27. Juni 1971 ist eine noch viel grössere Kundgebung vorgesehen. Andere Städte: Los Angeles, San Francisco, Chicago, Boston wollen auch mitmachen. 'What about you?' schreibt uns das Organisationskomitee. 'Will you think about it?' "

Ernst Ostertag, Oktober 2006

Quellenverweise
1

club68, Nr. 7/1970, Seite 12

2

club68, Nr. 3/1971, Seite 11