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Etablierung von CSD / PRIDE

Where pride began

Where pride began

Zum Kauf angebotene shirts an der Stonewall-Bar. Stonewall Inn, Christopher Street 53, New York City. Quelle: Sammlung Rapp und Ostertag, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Ernst Ostertag, November 2014
Herausgeber
Besitzer: Sammlung Rapp und Ostertag, Schwulenarchiv Sc
Rechte
© Ernst Ostertag
Sammlungs Nr.
ID: 3224
Zum Kauf angebotene shirts an der Stonewall-Bar
Schwulen-Demo, New York

Schwulen-Demo, New York

Schwulen-Demo in New York nach dem Stonewall-Aufstand. Erinnerungsbild in der Stonewall Inn. Quelle: Sammlung Rapp und Ostertag, Schwulenarchiv Schweiz.

Urheber
Foto: Ernst Ostertag
Herausgeber
Besitzer: Sammlung Rapp und Ostertag, sas
Rechte
© Ernst Ostertag
Sammlungs Nr.
ID: 3227
Schwulen-Demo in New York nach dem Stonewall-Aufstand

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In den folgenden Tagen und Nächten versammelten sich homosexuelle Männer und Frauen regelmässig vor der STONEWALL INN und begannen ihre Lage engagiert zu diskutieren. Da sie friedlich blieben, gaben sie der dauernd anwesenden Polizei keinen Grund, aktiv zu werden. Bald wurden Flugblätter verteilt mit Parolen wie Gay Power1!

Am 16. Juli 1969 trat die erste klar geplante und strukturierte Versammlung der Community zusammen und dabei konstituierte sich eine erste radikale Gruppierung, die Gay Liberation Front (GLF). Ihre Parolen lauteten:

"Sei stolz auf das, was du bist! Wenn Aufruhr nötig ist, werden wir ihnen zeigen, wer und was wir sind! Alle Unterdrückten schliessen sich zusammen! Wir sind Teil der neuen Linken!"

Einen Monat nach dem Überfall auf STONEWALL, am 27. Juli und in den folgenden Tagen, kam es zur ersten Grossdemonstration von Homosexuellen der Geschichte. Sie reisten aus allen Teilen des Landes heran. Die Befreiungsbewegung war geboren. Das aktive Hinaustreten in die Öffentlichkeit durch Hunderte, bald Tausende war neu und schaffte ein Gefühl von Macht ("Sei stolz auf das, was du bist!" Stolz im Sinne von Selbst-Respekt = engl. pride). Bereits ein Jahr später feierten im Central Park fünf- bis zehntausend homosexuelle Männer und Frauen den ersten Jahrestag - und in anderen Städten wie Los Angeles und Chicago waren es Hunderte. Die Bewegung erfasste die ganze USA, bald auch Kanada, dann das westliche Europa und in den 90er Jahren bis heute weitere demokratische oder demokratisch gewordene Staaten in aller Welt.

Der Aufstand vom 27. Juni 1969 war zum CSD oder zur PRIDE geworden, dem Tag der weltweiten Solidarität zur Befreiung der gesamten Gay Community und des Stolzes, gay zu sein. Ihr Anfangsort, sozusagen ihr Rütli, ist die Christopher Street. Und diese Strasse gilt bis heute als Schwulenmeile des New Yorker Village; sie ist also ein sehr lebendiges Symbol geblieben.

Weil es aber Tunten und Transvestiten waren, die damals den Widerstand eröffneten, Schrille, Schräge, Leder- und sonstwie besondere Typen, auch Stricher, also von aussen wie auch aus den eigenen Reihen Verfemte, gehören sie bis heute als "Paradiesvögel" aller Art mit ins Bild jeder echten PRIDE. Sie haben ein historisches Recht darauf und drücken Vielfalt, Toleranz und Buntheit aus, wie es der sechsfarbenen Regenbogenfahne als internationalem Zeichen der Community entspricht.

Die eigentlichen Träger des Aufbruchs in den 70er- und 80er-Jahren waren vor allem Studenten und Studentinnen, Linksorientierte und allgemein Gesellschaftskritische aus allen Berufssparten und Bevölkerungsschichten. Sie waren es, die übernommene Werte und Moralvorstellungen radikal hinterfragten und auf das eherne Dreigestirn Arbeit, Familie, Obrigkeit (kirchliche und weltliche) zum Angriff bliesen.

Es dauerte neun Jahre, bis am 24. Juni 1978 der erste CSD in der Schweiz stattfand.

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Ernst Ostertag, Oktober 2006

Anmerkungen
1

analog zu Black Power der Schwarzen Befreiungsbewegung