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Da wir uns als Kollektiv verstanden, war es von Anfang an klar, dass jedes Mitglied der Redaktionsgruppe möglichst viele andere, Neue mit einbeziehen durfte und sollte, wenn sie Wesentliches zu sagen hatten und ihren Beitrag vernünftig formulieren konnten. So sind die verschiedenen Autoren mit ihrem jeweiligen Pseudonym zu verstehen. Sie sandten ihre Artikel oder Kurzgeschichten ein und ausser dem Redaktionsleiter wusste kaum jemand, um wen es sich dabei wirklich handelte. Etliche davon waren bereits für den Kreis tätig gewesen.

Unter ihnen trat besonders der juristische Berater Kurt Bänninger als "Lex" hervor. Von ihm erschienen ab 5/1968 fast in jedem Heft fundierte, informative Aufsätze. In Nummer 7/8 beantwortete Robert Abraham als Onkel Theobald die Frage Umgang mit Minderjährigen und geltendes Gesetz.1 Anschliessend setzte "Lex" seine Serie fort:2 Wie können wir uns gegen Diskriminierung verteidigen? Sie erstreckte sich schliesslich über vier Nummern.

Den Abonnenten des Kreis bekannt war Johannes Werres, von dem in 9/1968, zwei Leserbriefe3 und von da an mehrere Zuschriften im Sinne von Diskussionsanregungen und -beiträgen erschienen (bis Ende 1971), meist unter einem seiner Pseudonyme.

James Baldwin, der bekannte Schriftsteller und Dichter, wurde ausführlich zitiert.4 Er hatte an der Tagung des Weltkirchenrates im schwedischen Uppsala ein vielbeachtetes Referat gehalten und etliche Passagen daraus passten genau auf die Situation und Haltung der Kirchen gegenüber den Homosexuellen. Der Titel hiess: "Die Kirche hat uns betrogen".

Was er gelegentlich bereits im Kreis getan hatte, setzte Christian Helder auch jetzt im Club68 fort: seine beliebten Buchbesprechungen.5

Der langjährige Abonnent des Kreis, Ambros Pfiffig, schrieb unter dem Pseudonym Velthur eine "Meditation" über seinen ersten Besuch im Conti-Club und setzte sie unter den Titel "Begegnung mit neuen Freunden".6 Ambros war mit uns (Röbi Rapp und Ernst Ostertag) befreundet und in jenen Tagen unser Gast - und er war das wenig später erneut, als er am 14. Januar 1969 die Diskussion "Dauerfreundschaft" im Conti-Club leitete.

Zum 100. Geburtstag des Dichters Stefan George brachte Walter Boesch eine Würdigung, die auch Georges Anspruch an den Kreis seiner hochbegabten Jünglinge, ihr Geprägtwerden und ihre Entwicklung mit einbezog.7

Kniender Akt

Kniender Akt

Kniender Akt. Veröffentlicht in 'club68' 12/1968, Seite 8.

Urheber
Fotograf: Walther Weibel / yx / Hector G
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0090b
Kniender Akt
Akt am Strand

Akt am Strand

Akt am Strand. club68, 12/1969, S. 10/11.

Urheber
Fotograf: Constantin Zuppiger, Zürich
Herausgeber
Besitzer: Constantin Zuppiger, Zürich und sas
Rechte
© Constantin Zuppiger, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0386
Akt am Strand

Der "älteste Abonnent" des Kreis mit seinem Kürzel "yx", Walther Weibel, schrieb einen längeren Bericht zur Frage der Berufswahl für junge Homophile, denen ihre Veranlagung bekannt ist. Er erschien in der Doppelnummer 7/8 des Sommers 19688 und war als Beitrag gedacht zur ersten grossen Umfrage des Club 68: "Beruf und ich". Die Auswertung der Antworten begann bereits im Juni9 und wurde in der Doppelnummer fortgesetzt.10

Da Walter Boesch mit Weibel befreundet war, konnte er ihn zu diesem wichtigen Kommentar motivieren. Es sollte der letzte Artikel Weibels in einer homophilen Zeitschrift sein. Er starb 1972, kurz vor seinem 90. Geburtstag.

Im Dezember erschien die Aufnahme eines knienden nackten Jünglings mit der handschriftlichen Signatur "H.G.P."11 Es war die erste Aktfotografie in Frontansicht, die club68 publizierte. Die drei Buchstaben der Signatur deuten auf Weibels meist gebrauchtes Pseudonym: Hector G. Preconi. Also stammte die Aufnahme von ihm und ist bestimmt durch Walter Boesch vermittelt worden.

Damit sind wir bei den Illustrationen, dem Ressort von Constantin / Coni Zuppiger. Er verwendete auch eigene Aufnahmen, darunter besonders grossformatige seines jungen Lebenspartners, Philipp Vialatte.12

Viele der übrigen Fotos waren von Karlheinz Weinberger / Jim. Er blieb über alle vier Jahrgänge des club68 Starfotograf der Zeitschrift - wie schon im Kreis.

Zeichnungen stammten von Bernardino del Boca13 und die beiden Skulpturen aus Neapel14 und Florenz15 hatte der Bildredaktor aufgenommen.

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Ernst Ostertag, März 2006

Quellenverweise
1

club68, Nr. 7/8/1968, Seite 10

2

club68, Nr. 7/8/1968, Seite 11 ff

3

club68, Nr. 9/1968, Seite 15

4

club68, Nr. 9/1968, Seite 13

5

club68, Nr. 9, 10 und 11/1968

6

club68, Nr. 12/1968, Seite 6 ff

7

club68, Nr. 6/1968, Seite 3

8

club68, Nr. 7/8/1968, Seite 17

9

club68, Nr. 6/1968, Seite 10

10

club68, Nr. 7/8/1968, Seite 15

11

club68, Nr. 12/1968, Seite 8

12

club68, Nr. 1, 3, und 11/1968

13

club68, Nr. 1/1986, Seite 4

14

club68, Nr. 4/1968, Seite 8

15

club68, Nr. 12/1968, Seite 5