Fragen der Integration

club68 12/1969

club68 12/1969

Umschlagblatt der Weihnachtsnummer club68, 12/1969.

Urheber
Urheber: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0151
Umschlagblatt der Weihnachtsnummer club68, 12/1969

Zu den wichtigsten Autoren ausserhalb des Redaktionsteams zählten wiederum Kurt Bänninger / Lex mit einem Beitrag in fast jeder Nummer, Christian Helder mit seinen Buchbesprechungen, Johannes Werres (unter dem Pseudonym Norbert Weissenhagen) mit Diskussionsthemen und Ambros Pfiffig / Velthur mit einem scharfen Kommentar zur Verlautbarung der deutschen Bischöfe betreffend Abschaffung des §175 für Erwachsene.1

Dazu kam neu der Kreis-Lesern bekannte Schriftsteller Rolf Italiaander mit einem Aufsatz "Selbstverwirklichung und Integration der Homophilen".2 Aus seinem sich damals in Vorbereitung befindenden Buch "Weder Krankheit noch Verbrechen", einer Zusammenstellung von Äusserungen bekannter Persönlichkeiten, erschienen sozusagen als Vorabdruck in etlichen weiteren Ausgaben die folgenden Beiträge:

  • im März von Karl Jaspers "Zur generellen Strafbarkeit der Homosexualität"3
  • im April Stellungnahmen zum Thema Homosexualität und Gesellschaft von Rolf Liebermann "Arroganz, Intoleranz und Ignoranz" und von Karlheinz Stockhausen "Beschränktes Bewusstsein und brutale Instinkte".4
  • im Mai folgte von Luise Rinser: "Eine legitime Form der Liebe".5
  • abschliessend - das Buch von Rolf Italiaander war eben erschienen - brachte das November-Heft den Beitrag von Stefan Andres "Was heisst schon: normal?"6

1969 war auch das Jahr des Stonewall-Aufstandes und damit des Beginns der militanten Befreiungsbewegungen zunächst in den USA, ab 1971 auch in der Schweiz. Erstaunlicherweise berichtete Walter Boesch bereits in der Septembernummer über diese Entwicklung unter dem Titel "Die HS-Explosion in den USA". Er begann seinen Artikel über die "beispielhafte Monatsschrift Advocate" mit dem Satz:7

"Beinahe Unglaubliches geschieht seit einiger Zeit in den Vereinigten Staaten: Allenthalben werden die Schranken durchbrochen, welche gegen die freie Entfaltung homophilen Lebens aufgerichtet waren."

Mitte Jahr begann Jürg Amstein als Jürg Ambach seine erfolgreiche Serie Berühmte Homoeroten mit Arthur Schopenhauer, Michelangelo und Julius Caesar.8 Er sollte sie über die Nachfolgezeitschriften hey und SOH-News weiterführen, denn er hatte die Absicht, daraus ein Buch herzustellen. Doch sein plötzlicher Tod 1988 bedeutete den Abbruch des noch immer unvollendeten Werks.

Dem April-Heft9 waren zusätzlich zum Fragebogen Alternde Homophile auch Fragen über Inhalt und Gestaltung der Zeitschrift beigeordnet. Ihre Auswertung publizierte man im Sommer - eine recht gute Beurteilung des Ist-Zustandes mit vielen Anregungen und dem erfreulichen Anteil von 35 Mitgliedern, die gerne mitwirken würden.10 Es waren 194 Antworten eingegangen.

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Ernst Ostertag, März 2006

Weiterführende Links intern

Rolf Italiaander

Quellenverweise
1

Ambros Pfiffig unter dem Pseudonym "Velthur", club68, Nr. 5/1969, Seite 11

2

club68, Nr. 2/1969, Seite 12

3

club68, Nr. 3/1969, Seite 4

4

club 68, Nr. 4/1969, Seite 10 ff

5

club68, Nr. 5/1969, Seite 8 ff

6

club68, Nr. 11/1969, Seite 9

7

Walter Boesch unter dem Pseudonym Casper Kelt, club68, Nr. 9/1969, Seite 10

8

Jürg Amstein unter dem Pseudonym Jürg Ambach, club68, Nr. 6/1969, Seite 11, "Arthur Schopenhauer", Nr. 9/1969, Seite 9, " Michelangelo", Nr. 11/1969, Seite 6 " Julius Caesar"

9

club68, Nr. 4/1969, Beilage

10

club68, Nr. 7/8, Seite 12