Ursus Club und HAB-Info

Verhältnis (gespannt) und Plattform (für alle)

HAB info, 1/1976

HAB info, 1/1976

Titelblatt 'hab info', 1/1976. Gezeichnet von 'Ganymed'

Urheber
Urheber: 'Ganymed', HAB
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© Homosexuelle Arbeitsgruppen Bern
Sammlungs Nr.
ID: 0156
Titelblatt 'hab info', 1/1976

Das Verhältnis zum Ursus Club blieb über lange Jahre zwiespältig. Die "Kommerzschwestern" im Ursus lehnte man ab und die anderen wollten von den "Linken" nichts wissen. Aber: die Erfolge der HAB in der Öffentlichkeit konnten nicht geleugnet werden und der Ursus war und blieb ein gemütlicher Treffpunkt mit gutem Programm. Treffend formuliert in der WoZ (Wochenzeitung, Zürich) vom 1. Oktober 1993 "Den lieben Politschwestern zum Geburtstag, 25 Jahre Schwulenbewegung Bern":

"In den Ursus Club gingen die Männer der HAB aus ideologischen Gründen nicht, allenfalls heimlich und mit noch mehr Kontrollblicken als die andern, um beim Hineinschleichen nicht von einem Bekannten der eigenen Couleur erwischt zu werden. In Kreisen der HAB war der Club gleichbedeutend mit Kommerz (obwohl er nie kommerzielle Ziele hatte und auch heute nicht hat) und Synonym für 'Aufriss', und das hatte man als Politschwuler nicht nötig."

Zum HAB-Info schrieb Erasmus Walser:1

"Seit 1974 bis Mitte der 1980er Jahre produzierten die HAB in ihren 'Infos' regelmässige Schwerpunktnummern zu schwulen Themen, teilweise von Mario M. fein illustriert, z.B. 'Geschichte der Sexualunterdrückung' 1975, [...].

Liest man das in den Jahren 1981 bis 1984 gemäss kontinuierlichem Redaktionskonzept viermal pro Jahr erscheinende HAB-Info, drängt sich der Eindruck auf, man habe nicht bloss nach aussen agieren wollen [...]. Das HAB-Info wurde zum Podium und Spiegel der Selbsterfahrung und Selbstdarstellung in allen Facetten der schwulen Existenz: das Verhältnis zu den Frauen, die Einsamkeit, Probleme der schwulen Identität, die verschiedenen Aspekte der schwulen Körperlichkeit, das Altern [...], der Strich, Wohnen, Militär, Gewalt gegen Schwule, [...]. Zugleich schrieben mehr Autoren, auch neu eingetretene, auch junge Mitglieder des 'Kindergartens', wie die [...] 16- bis 20-jährigen Lehrlinge und Mittelschüler der neugegründeten 'Jugendgruppe' von den Twens und Dreissigern qualifiziert wurden."

Ernst Ostertag, Oktober 2006

Quellenverweise
1

Erasmus Walser, Unentwegt emanzipatorisch, Vereinsgeschichte 20 Jahre HAB, 1992, Seiten 11 und 18