1975/1976

Vorgeschichte

Der neue Club entsteht

Club HEY

Club HEY

Club HEY, ein Kellerlokal im Hinterhof des Hinteren Sternen, Freieckgasse. Der Treffpunkt ab 1977 für die tanzfreudigen Schwulen in Zürich.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Baugeschichtliches Archiv, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0425
Club HEY, ein Kellerlokal im Hinterhof des Hinteren Sternen, Freieckgasse

Nur ein gutes Jahr nach der Schliessung des Conti-Clubs konnten im Juli 1975 der spätere Präsident und der Vizepräsident des noch zu gründenden Vereins Club HEY, Karl-Robert Schmitz und Erwin Scheiwiller, einen Brief an alle Mitglieder der SOH versenden. Die frohe Botschaft darin lautete: "Der neue Club entsteht!"

Es folgte:

"Wir sind so weit und warten nur noch auf die Bewilligung durch die Baupolizei, eine reine Formsache. Die Pläne wurden von unserem Architekten vorschriftsgemäss eingereicht. [...] Ein langjähriger Mietvertrag ermutigt uns, das Lokal schön und gemütlich einzurichten."

Zum Schluss kamen die nötigen Aufmunterungen fürs Zeichnen von Spenden/Darlehen und die Hinweise auf Arbeitseinsätze:

"Ich spende Fr. ……… für den neuen Club. Mein Darlehen beträgt Fr. ……… Meine Firma kann ………-Arbeiten zu ……… Konditionen ausführen."

Man sah jedoch bald, dass man auf diese Weise nicht zügig vorwärts kam.

Daher entwickelte man eine Lösung mit zahlungskräftigen Gönnern statt Sponsoren. In kurzer Zeit waren um die dreissig Personen gefunden, von denen einzelne mehr als den vorgesehenen Mindestanteil von 10'000 bei der Bank als Sicherheit für den Baukredit deponierten.

Laut Statuten des Vereins wurden sie "Patronatsmitglieder" genannt. Unter ihnen waren bekannte Namen wie: Robert Abraham (Gründer und erster Präsident der SOH), André Depeursinge (Leiter der Groupe Symétrie Lausanne), Carl Diethelm (Chefredaktor hey), Johnny Beat Fahrny (Chef der Coiffeurfachschule Fahrny), Bob Fischer (Inhaber von Partner Travel, dem ersten schwulen Reisebüro der Schweiz), Peter Heller (Ursus Club Bern), Max Krieg (Gründer und Leiter des Club In, Lugano), Karl-Robert Schmitz (Präsident der SOH), Marcel Ulmann (späterer Präsident der SOH), Karlheinz Weinberger (der Fotograf "Jim" im Kreis, club68 und hey) und Thomas Wetzel (Tom Men's Shop). Mit gemeinsam gezeichneten 20'000 gehörten auch die Freundespaare Erwin Scheiwiller (Vizepräsident SOH) und Fred Eichenberger, Walter Blaser (Showmaster im Conti-Club) und Fredy Schoch, Röbi Rapp und Ernst Ostertag dazu, sowie Hans Greiner, der Lebenspartner von Robert Abraham. Auch der Architekt des Club HEY, Constantin Zuppiger, wurde Patronatsmitglied, indem er auf mindestens 10'000 Franken seines Honorars verzichtete.

Alle Patronatsmitglieder und zusätzlich noch einige mehr wie Max Schori (Ursus Club Bern) und Jürg Wehrli (späterer Präsident der SOH), bildeten den Kreis von Erstmitgliedern im Verein Club HEY, der sich am 24. November 1976 konstituierte.

Die Ankündigung der Club-Eröffnung erfolgte im hey 12/1976 und per Flyer mit einem galoppierenden Elefanten, auf dessen Satteldecke verkündet wurde:

"Wir eröffnen den Club HEY am Mittwoch, den 22. Dez. 1976, um 20.00 Uhr. Es findet ein ganz normaler Clubabend statt, bis 24.00 Uhr. Die festliche Eröffnung mit Freinacht wird Ende Januar 1977 nachgeholt. [...]"

Vor dieser Feier lud die SOH zu einer Pressekonferenz:

"[...] Im Dezember waren die Vorbereitungen der SOH so weit gediehen, dass das Clublokal eröffnet werden konnte. Am 2. Februar 1977 findet nun die offizielle Eröffnungsfeier statt. Diese Feier möchten wir zum Anlass nehmen, Sie und dadurch auch die Öffentlichkeit zu informieren. Uns geht es nicht darum, mit dem Club HEY einen geheimen und womöglich noch anrüchigen Schlupfwinkel für Homophile beiderlei Geschlechts zu schaffen. [...]

Das Clublokal soll (auch) zu Podiums- und Gruppengesprächen, Diskussionen und Begegnungen aller Schichten offen stehen. Es liegt uns daran, [...] auf diese Möglichkeiten [...] aufmerksam zu machen. Als Beilage erhalten Sie das Anmeldeformular zu unserem Orientierungsgespräch, welches im kleinen, persönlichen Rahmen stattfinden soll. [...]"

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Ernst Ostertag, März 2007