SOH 1978: Kämpfe

Militär und Register

An seiner Sitzung vom 27. Januar 1978 beschloss der Vorstand unter anderem, dass Mitglieder der Arbeitsgruppe Information an der Telearena des Schweizer Fernsehens vom 12. April teilnehmen sollen.

Ein weiterer Beschluss galt einem Schreiben der SOH zur Abschaffung des Art. 157 im Militärstrafgesetz (Bestrafung homosexueller Akte). Dieses Schreiben sei an die Präsidenten der diesbezüglichen Kommissionen im National- und Ständerat zu richten. Im März wurde es im hey veröffentlicht.1 Im selben Heft stellte die Redaktion den Nationalrats-Bericht diesem Schreiben gegenüber. Darin war festgehalten, dass der Nationalrat (und spätere Bundesrat) Rudolf Friedrich (ZH, FDP) als Kommissionspräsident die Ablehnung empfohlen hatte, was der zuständige Bundesrat, Rudolf Gnägi (BE, SVP), mit derselben Argumentation unterstützte:

"Wenn ein Truppenkommandant hier nicht mehr eingreifen kann, ist die Disziplin gefährdet".

Der Rat lehnte den Streichungsantrag von Nationalrat Merz (SP, AR) mit 62 zu 37 Stimmen ab.

Ebenfalls im März veröffentlichte Jürg Wehrli seinen Aufruf

"betreffend Homo-Register in Zürich: Damit wir in dieser Sache endlich weiterkommen, sind wir unbedingt auf Mitglieder angewiesen, die selbst sicher im Register drin sind oder Bekannte und Freunde haben, die schon registriert wurden. [...] Eure Unterstützung darf nicht länger ausbleiben!"2

Berichte von Opfern, zum Beispiel "Wie ich ins Homoregister kam" wurden nun in diversen Ausgaben des hey veröffentlicht.3

SOH-Aktive

SOH-Aktive

SOH-Aktive stellen sich vor. v.l.n.r. Marcel Ulmann, Jürg Wehrli, Erwin Scheiwiller, Karl-Robert Schmitz und Rainer Rotthoff (vorne). Quelle: 'hey' 2/1979, S. 5.

Urheber
Urheber: SOH
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich (sas)
Rechte
© sas
Sammlungs Nr.
ID: 0168a
SOH-Aktive stellen sich vor

Die GV (Jahresversammlung) vom 11. März im Club HEY wählte Marcel Ulmann zum neuen Präsidenten. Ebenfalls neu waren unter anderen die Aktivmitglieder Markus Gantner (bald im Vorstand mitarbeitend), Walter Beusch (Beratungsstelle) und Alain Jeanneret (Redaktion).

Die Vertreter der Groupe Symétrie waren weiterhin André Depeursinge und neu Hans Rutschmann, während Gérard Schaffner zur SOH-Gruppe Isola Basel wechselte.

Aus Gründen der finanziellen und administrativen Klarheit und Entflechtung kam es am 8. April zum "Gesellschaftsvertrag Verlag Plädoyer zur Herausgabe einer Zeitschrift", gemeint war hey. Diese Gesellschaft umfasste fünf Gesellschafter: Marcel Ulmann (1936-2016), Karl-Robert Schmitz (geb. 1930), Rolf Seidel (geb. 1943), Erwin Scheiwiller (geb. 1946) und Jürg Wehrli (geb. 1955). Am 6. November 1981 wurde sie erneuert als "Einfache Gesellschaft Verlag Plädoyer", indem zwei neue, Markus Gantner (geb. 1958) und Werner Hohlfeldt (geb. 1948), die zurücktretenden, Karl-Robert Schmitz und Rolf Seidel, ersetzten.

Die 3. VS (Vorstandssitzung) fand am 8. September zu Hause bei Peter Heller in Bern statt. Eines der Traktanden betraf den Kontaktanzeiger Kontiki von Hans Geiger / Janul Giger, der sich bis 1977 in der Redaktionsgruppe betätigt, aber mit seiner neuen Publikation (ab Mai 1978) einen drastischen Inseratenrückgang bei hey bewirkt hatte. Es gab zwei Beschlüsse: Dass erstens auf seine weitere Mitarbeit verzichtet werde und zweitens Kontaktanzeigen im hey für SOH-Mitglieder ab sofort gratis seien (wie alle Kontakt-Anzeigen im Kontiki, das von den Inseraten lebte).

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Ernst Ostertag, März 2007

Quellenverweise
1

hey, Nr. 3/1978, Seite 13

2

hey, Nr. 3/1978, Seite 18

3

hey, Nr. 5/1978, 6/1978, 9/1978 und 3/1979