SOH und SOH-Info 1987

Schwulen-Ehe; Spot25

Die Generalversammlung (GV) vom 25. April brachte die Wiederwahl von Präsident und Vizepräsident samt allen Vorstandsmitgliedern. Am 14. April hatte die SOH, wie Markus Gantner berichtete, total 362 Mitglieder (22 "noch nicht bezahlt" abgezogen). "Das bedeutet einen Schwund von 20 Mitgliedern", trotzdem sei zu vermerken, "dass die Austritte durch etwa die gleiche Anzahl Neueintritte ausgeglichen worden sind".

"Schwulen-Ehe"? Das Thema "Ehe für Homosexuelle" lag in einer Anfrage an die Meinung der Mitgliederversammlung oder GV vor, gestellt an alle Organisationen in einem Exposé von Andreas Ott, Basel. Er hatte dazu im Basler Grossen Rat einen Vorstoss unternommen, und es bestand der Plan für eine Initiative auf eidgenössischer Ebene.

Fazit einer lebhaften Diskussion (Protokoll der GV 1987, Traktandum 11): Es "wird einer Schwulen-Ehe keine Chance gegeben". Punktuelle Anpassungen seien realistischer (Versicherungen, Konkubinatsvertrag, Testament). Gleiches Ehe-Recht erschien offensichtlich einer Mehrheit als (noch sehr) ferne Utopie.

Aus den Jahresberichten zu Tätigkeiten 1987, die an der GV 1988 vorgestellt wurden:

Das SOH-Info brachte unter anderem einen Artikel über den 1984 an Aids verstorbenen Michel Foucault, worin dessen Theorie der Homosexualität als ein von Heterosexuellen erschaffenes Konstrukt zur Darstellung kam. Den Artikel hatte Markus Gantner aus der dänischen Zeitschrift PAN übersetzt; mit Einverständnis der SOH erschien er später im seit 1985 bestehenden anderschume/Kontiki und fand so "die ihm gebührende Verbreitung", wie Marcel in seinem Bericht betonte.

Titelblatt 'Spot-News'

Titelblatt 'Spot-News'

'Titelblatt Spot-News', märz & april 2002.

Urheber
Urheber: tbd, Spot 25, Zürich
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0176
'Titelblatt Spot-News', märz & april 2002

Spot25 weiter aktiv. In seinem Jahresbericht zu 1987 orientierte Charly Büchi, Spot25 habe wieder ein Pfingstwochenende durchgeführt, diesmal in Zernez (GR). Seit August gebe es nun das alle zwei Monate erscheinende Programmheft spot-news. Mitarbeiter sind teilweise jene Leute, die für "Ich bin schw…" das Redaktionsteam bildeten. Neu hinzu kamen unter anderen Marcel Tappeiner (Lebenspartner von Charly Büchi bis heute), Daniel Wiedmer (späterer Herausgeber des A/K) und Peider Filli (späterer offen schwuler Zürcher Gemeinderat). Aus einem Mitteilungsblatt des "Spot Teams":

"An der Kerngruppensitzung vom Donnerstag, 6. August 1987 ist Spot25 offiziell eine HAZ-Arbeitsgruppe mit Sonderstatus geworden. Als sich Spot25 1983 im Begegnungszentrum zu treffen begann, war das Verhältnis zu den HAZ noch widersprüchlich. Doch seit 1985 haben wir angefangen, mit den HAZ zusammenzuarbeiten."

Spot25 blieb aber zugleich die Jugendgruppe der SOH. Das Budget hatte sie sowohl der SOH wie der HAZ zur Genehmigung vorzulegen, weil beide Vereine sich in die finanzielle Unterstützung teilten. Spot25 gehörte 1986 zu den Mitbegründern des Dachverbandes ILSJS (Initiative lesbisch/schwule Jugend Schweiz) und nahm 1987 an der IGLYO Konferenz (International Gay and Lesbian Youth Organisation) in London teil. Charly an der GV, Jahresbericht 1987:

"Grösseres Echo fand unser Versand der Broschüre 'Ich bin schw…' (wir haben noch über 2000 Stück) an Gemeinde- und Schulbibliotheken. Die meisten haben sie behalten und zum Teil sogar bezahlt, einige sind zurückgekommen."

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Ernst Ostertag, April 2007