1986

Hot Rubber Company

Firma im Dienst der AHS

Neujahrskarte HOT RUBBER COMPANY

Neujahrskarte HOT RUBBER COMPANY

Neujahrskarte THE HOT RUBBER COMPANY. v.l.n.r. hintere Reihe: Hansruedi Minder, Hans Willner, Markus Schihin, Herbert Riedener; vordere Reihe: Silvia Moser, Roger Staub

Urheber
Urheber: THE HOT RUBBER COMPANY
Herausgeber
Besitzer: Sammlung Roger Staub, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0223
Neujahrskarte THE HOT RUBBER COMPANY
Inserat für 'The Hot Rubber Lubricant'

Inserat für 'The Hot Rubber Lubricant'

Inserat 'The Hot Rubber Lubricant'.

Urheber
Urheber: The Hot Rubber Company
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich (sas)
Rechte
© sas
Sammlungs Nr.
ID: 0447
Inserat 'The Hot Rubber Lubricant'

1986 entstand die Hot Rubber Company. Roger Staub war einer der Mitbegründer. In einem Brief vom 6. April 2008 schrieb er uns, Herbert Riedener sei der eigentliche Vater des Hot Rubber gewesen. Nun gab es die Company. Denn wozu einer fremden Firma Aufträge erteilen und Gewinn abliefern, wenn die AHS (Aids-Hilfe Schweiz) das Geld dringend nötig hatte? Was mit absoluter Klarheit über Aids feststand, war die Tatsache: Penetration mit Kondom bietet fast hundertprozentigen Schutz für beide Partner, egal welchen Geschlechts.

Es gab allerdings Leute, die daraus ein Problem machten. Allen voran die katholische Kirche, aber nicht nur sie allein. Diese Menschen, Organisationen, Gemeinschaften ächteten den Gebrauch von Präservativen in aller Öffentlichkeit als Verstoss gegen "göttliche Bestimmungen" und "traditionelle Ordnungen". Dass diese Kreise und Einzelpersonen in den vergangenen 25 Jahren eine Schuld an Millionen von Aids-Opfern auf sich luden, scheint ihr Gewissen bis heute in keiner Weise zu belasten.

Wertet man diese Haltung aus Sicht der Opfer, dann ist sie nicht nur heuchlerisch, sondern menschenverachtend, ja kriminell. Denn die Krankheit folgte ihren eigenen Gesetzen wie jede andere Krankheit auch. Sie hat genau dort epidemische Züge angenommen, wo mehrheitlich nach Denk- und Verhaltensmustern gelebt wurde, die Sexualität tabuisierten. Dort waren Schutzmassnahmen wie Präservative kaum oder nur mühselig verständlich zu machen.

Mit der Hot Rubber Company konnte nun noch wirksamer geworben und gezielter vorgegangen werden. Der Slogan hiess: "The Hot Rubber Company ist eine Abteilung der Aids-Hilfe Schweiz. Der ganze Vertriebsgewinn fliesst direkt in die Kasse der AHS." Roger Staub dazu in seinem Bericht von 1988, "Homosexuelle und Aids, Versuch einer Bewältigung":

"Die AHS gründet die 'Hot Rubber Company' (HRC), die Firma, die sich um den Vertrieb des Hot Rubbers kümmert. Die HRC gehört der AHS, [...].

Ein weiteres wichtiges Element für das Marketing eines Produkts ist sein Preis: Die HRC verkauft den Hot Rubber immer zu zwei Stück (Sicherheit für beide) zu Fr. 1.-, zu dieser Zeit konkurrenzlos günstig.

Für den Verkauf sieht die HRC zwei Kanäle vor: Bars und Saunen für Schwule und den Postversand (Geld im Brief - Ware per Post)."

Noch im Frühjahr 1986 entwickelte und verkaufte die HRC nebst dem sicheren, reissfesten Kondom auch den ebenso wichtigen fettfreien Gleit-Gel Lubricant, der mitgeliefert wurde.

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Ernst Ostertag, März 2008