1986

Aktion Aids-Broschüre

... vom März

Im März 1986 wird ein Aufklärungsheft über Aids an sämtliche Haushalte des Landes verschickt. Das geschieht in Form einer Broschüre, die so einfach hergestellt und gedruckt ist wie die Unterlagen und Erklärungen vor Abstimmungen über eidgenössische Vorlagen. Auch in diesem Fall erscheinen die Informationen in allen vier Landessprachen. Absender ist das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) zusammen mit der Aids-Hilfe Schweiz (AHS), also gemeinsam mit homosexuellen Menschen und ihren Organisationen.

So etwas hat es in der Schweiz noch nie gegeben. Die Informationsschrift wirkt wie ein Paukenschlag, fast alle Medien berichten darüber. Sie tun das ausführlich und mit wenigen Ausnahmen bejahend, nüchtern, sachlich.

Erklärtes Ziel der Aktion ist die Orientierung des ganzen Volkes. Es wird gesagt, was Aids ist und wie sich jeder und jede schützen kann.

Am 2. Juni erinnert die AHS an ihre Gründung vor genau einem Jahr. Sie lädt zu einer Pressekonferenz. Das Echo ist gross. Erste Auswirkungen sind sichtbar, vor allem im Vergleich mit der Lage in anderen europäischen Nationen und in Amerika. Es gibt Erfolge beim Grad der Aufklärung und im sachlichen Umgang mit der Krankheit und mit den Aids-Opfern.

Am 25. Oktober stirbt AHS-Präsident André Ratti. Bis fast zuletzt hat er sich in den Dienst der Kommunikation und Information gestellt. Er tat dies sachbezogen und klar und auf eine berührende Weise auch dann, wenn die grauenvollsten Seiten kein Geheimnis blieben: Gürtelrose, Herpes an weiten Teilen seines Körpers, eine erneute, dritte Lungenentzündung und das Erblinden.

Sein Beispiel wirkt lange nach. Es wird zum Grundstein, auf dem die Aktiven der schweizerischen wie lokalen Aids-Hilfen weiter tätig sein können. Denn jetzt geht es um die anlaufenden Präventionskampagnen.

Ernst Ostertag, September 2011