ab 1985

Situation in ZH, BE, GE

... und lokale Aids-Hilfe-Gruppen

In der Jubiläumsschrift 20 Jahre Zürcher Aids-Hilfe (ZAH) von 2005 berichtete Christina Beglinger Walter in einem Kapitel "20 Jahre Aids-Arbeit an der Basis" über Erfahrungen direkt an der "Front". Dort schrieb sie unter anderem:1

"Ab 1985, dem ersten Jahr, in dem das BAG (Bundesamt für Gesundheitswesen) die epidemiologischen Daten erfasst, wird klar, wie viele an Aids erkrankte Menschen sterben. Ihnen Nahestehende und freiwillig Helfende sind enorm gefordert. Abschiedsrituale wie THE NAMES PROJECT6 entstehen, Begleitbücher zu Tod, Abschied und Bestattung versuchen Menschen bei der Entwicklung einer Trauerkultur zu unterstützen. [...]"

Die Situation in Zürich

Zur Situation in Zürich schrieb Reto Jeger, Leiter der Zürcher Aids-Hilfe (ZAH) seit 2002, in der Jubiläumsschrift von 2005:2

"Bei der ZAH waren es [...] lange Jahre mehrheitlich Freiwillige, die den Betrieb sicherten. Die Betreuung während der Erkrankung und bis zum Tod, das bedeutete, sich etwa ein bis zwei Jahre lang sehr nahe auf einen Menschen einzulassen. Und mit seinem Tod musste man ihn auch wieder loslassen, was viele der Betreuer - laut ihren eigenen Angaben - enorm belastete7."

In seinen täglichen Notizen hat Stephan Inderbitzin als Zeitzeuge und Mitbegründer der Zürcher Aids-Hilfe viele Details festgehalten.3 Seine Erinnerungen zur Telefonberatung:

"Es ging kurz gesagt darum, die bestehende Beratung der HAZ umzufunktionieren in eine Aids-Beratung. Da haben einige aktiv und konzipierend mitgeholfen, die im Gründungsteam der ZAH waren, allen voran Reinhard [Reini] Reifler."

Zur Gründung der Aids-Hilfe Bern (AHB)

Zur Gründung der Aids-Hilfe Bern (AHB) äusserte sich Béatrice Aebersold in der Jubiläumsschrift 20 Jahre Zürcher Aids-Hilfe von 2005 als Leiterin der Aids-Hilfe Bern seit 1996. In Anspielung auf den 1988 durch die WHO (Welt-Gesundheits-Organisation der UNO) zum World-Aids-Day erklärten 1. Dezember meldete sie:4

"Es ist ein Zufall, der berührt, dass die Aids-Hilfe Bern an einem 1. Dezember, nämlich im Jahr 1985, gegründet worden ist. [...] In Bern waren es ganz besonders Frauen, die sich in der Sterbebegleitung engagierten."

Christina Beglinger Walter berichtete dazu in ihrem Aufsatz "20 Jahre Aids-Arbeit an der Basis" (ebenfalls in der Jubiläumsschrift):5

"1992 startet die Aids-Hilfe Bern ein vielbeachtetes HIV/Aids-Präventions-Projekt in der Bernischen Strafanstalt Witzwil und macht die fehlende Spritzenabgabe im Strafvollzug zum Thema. Wegen unerlaubter Spritzenabgabe durch die Projektleiterinnen wurde das Projekt von der Direktion Witzwil abrupt beendet. Erst das vom BAG (Bundesamt für Gesundheitswesen) durchgeführte Projekt in der Frauenstrafanstalt Hindelbank (BE) hat auf Grund der Ergebnisse zu einem Umdenken in Bezug auf die Spritzenabgabe im Strafvollzug geführt."

Zu den Aktivitäten in Genf

Auf die Situation und die Aktivitäten in Genf wird in den Schilderungen der ersten Jahre von Dialogai hingewiesen.

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Ernst Ostertag, April 2008

Quellenverweise
1

Jubiläumsschrift 20 Jahre Zürcher Aids-Hilfe, Herbst 2005, Seite 4 und 5

2

Jubiläumsschrift 20 Jahre Zürcher Aids-Hilfe, Herbst 2005, Seite 4 und 5

3

Stephan Inderbitzin, Notizen und Kommentare zur ZAH von Ende Mai 1985 bis Mitte September 1986. Übermittelt an Ernst Ostertag am 13. April 2008

4

Jubiläumsschrift 20 Jahre Zürcher Aids-Hilfe, Herbst 2005, Seite 5

5

Jubiläumsschrift 20 Jahre Zürcher Aids-Hilfe, Herbst 2005, Seite 6

Anmerkungen
6

"Quilts", gefertigt von Angehörigen/Freunden/Freundinnen im Gedenken an Verstorbene. Sie wurden zusammengefügt und öffentlich ausgelegt.

7

Diese betreuenden Freiwilligen von Aids-Kranken wurden in den USA und Grossbritannien "Buddies" genannt. Das Buddy-System war dort eingeführt worden, weil es so viele Kranke ohne Anschluss an Familie oder Freunde gab (buddy = Freund, Kumpel).