1992-2007

Ins neue Jahrhundert

Mit Aids eröffneten sich neue Möglichkeiten für die Homosexuellen-Emanzipation:

Ein unverkrampftes Zusammengehen mit Behörden und ein Heraustreten an die Öffentlichkeit, das nicht mehr beargwöhnt, sondern verstanden wurde. In breiten Kreisen der Gesellschaft bewirkte die Krankheit mit ihren  Gefahren für alle ein Aufbrechen von Tabu-Zonen um Sexualität und Homosexualität. Auch in Familien begann man über Prävention und sexuelle Praktiken offener und unverkrampfter zu sprechen.

Regenbogenflagge

Regenbogenflagge

Lesbischwule Regenbogenkultur.

Urheber
Künstler: Gilbert Baker
Herausgeber
Besitzer: frei
Rechte
© frei
Sammlungs Nr.
ID: 0355a
Lesbischwule Regenbogenkultur

Nun entstanden viele neue Zusammenschlüsse von Schwulen und Lesben. Der gemeinsame Kampf für Veränderungen wurde aussichtsreicher. Schwul-lesbische Formen eigener Kultur und Tradition fanden Beachtung. Lesben und Schwule nannten das "Regenbogenkultur".

Im Kampf um die Revision des StGB wurde 1992 das gleiche Schutzalter von 16 Jahren für beide Geschlechter erreicht, zusammen mit der Abschaffung des einseitigen Verbots männlicher Prostitution, des schwammigen Begriffs "Verführung" und der Bestrafung homosexueller Akte im Militär.

Die wichtigsten Gründungen dieser Zeit waren die neuen nationalen Organisationen:

1989

LOS, Lesbenorganisation Schweiz (Dachverband)

1993

Pink Cross, Schwulensekretariat und Schwulenorganisation Schweiz (Dachverband)

1995

NETWORK, Verein für schwule Führungskräfte

1997

fels, Freundinnen, Freunde und Eltern von Lesben und Schwulen

1997

PinkRail, die erste schwullesbische Gewerkschaft der Schweiz mit Schwulen und Lesben im öffentlichen Transportwesen.

1994 begann der Kampf um die gleichen Rechte für gleichgeschlechtliche Paare, in welchem einzelne Kantone vorpreschten, um dem Zögern auf Bundesebene ein Ende zu setzen: 2001 Genf mit dem Pacs Genevois und 2002 Zürich per Volksabstimmung mit seinem wesentlich weiter gehenden Partnerschaftsgesetz, das am 1. Juli 2003 in Kraft trat. Die neue Justizministerin Ruth Metzler sorgte in kurzer Zeit für eine grosszügige eidgenössische Lösung, welche am 3. Juni 2005 landesweit an der Urne mit 58% angenommen wurde, weltweit erstmalig für ein Gesetz dieser Art. Per 1. Januar 2007 konnte das eidgenössische Partnerschaftsgesetz in Kraft treten.

Ernst Ostertag, August 2007