1934-1951

Geistige Landesverteidigung

Cornichon

Cornichon

Die Gurke des Cabarets Cornichon. Quelle: Plakatsammlung, Nr. 24-0563.

Urheber
Künstler: Alois Carigiet
Herausgeber
Besitzer: Museum für Gestaltung, Zürich
Rechte
© Museum für Gestaltung, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0036a
Die Gurke des Cabarets Cornichon

Von 1934-1951 existierte das Schweizer Cabaret Cornichon mit seinen Dialekt-Programmen. Inspiriert war es von der 1933 nach Zürich exilierten Pfeffermühle der beiden lesbischen Schauspielerinnen Erika Mann und Therese Giehse. Bis 1937 wirkten beide Cabarets abwechslungsweise am selben Ort (Zürcher Hirschenplatz) oder auf Tournee mit ihren je eigenen Liedern und Texten. Nebst pfiffiger Unterhaltung gab es regelmässig "literarische Nummern" mit sarkastischem - verdeckt politischem - Inhalt, wobei Nazi-Faschisten (auch solche in der Schweiz) gnadenlos blossgestellt wurden. Das stand ganz im Dienst des offiziell geförderten nationalen Widerstandes, genannt Geistige Landesverteidigung. Karl Meier / Rolf war in allen Vorstellungen des Cornichon - total mehr als 5000 - mit dabei.

Auch andere Lesben und Schwule (meist emigrierte Ausländer, nebst Schweizern) traten zuvorderst an dieser geistigen Front auf. Dies vor allem im Zürcher Schauspielhaus, das ab 1938 unter der künstlerischen Leitung des Kreis-Abonnenten Oskar Wälterlin stand. Das Schauspielhaus war nun die einzige regelmässig bespielte unzensurierte Bühne im deutschen Sprachraum.

Diese Einsätze Homosexueller im Dienst der Freiheit waren damals bekannt und der KREIS daher wohlgelitten.

Doch das Gedächtnis der "schweigenden Mehrheit" ist kurz und das traditionelle Stillhalten im Ghetto KREIS half dem Vergessen.

Ernst Ostertag, August 2007