Folgen
menschenverachtend
Als Strafe für homosexuelle Handlungen galt in späteren Jahrhunderten analog zur Vernichtung Sodoms - und allermeist auch mit dieser Geschichte begründet - der Tod durch Verbrennen. (Oder gemäss rabbinischer Auslegung die Steinigung vor versammeltem Volk, was auch in die islamische
Sharia wurde.)
Auch die Verbrennungen von "Hexen" und "Hexern" (darunter viele gleichgeschlechtlicher Betätigungen verdächtigte Frauen und Männer) wurden mit "Sodom" begründet. Dies alles trotz des 6. Gebots, "Du sollst nicht töten", und in Anwendung grausamster Folterpraktiken, die aus den Opfern - vor allem bei Prozessen der
Inquisition - jedes gewünschte Geständnis pressten. Offenbar waren diese Tätigkeiten weniger verachtet und sündhaft als Homosexualität.
Später wurden für Homosexuelle andere Todesstrafen eingeführt: Erhängen, Ersäufen, Enthaupten. England etwa kannte die Todesstrafe für "Sodomie" bis 1825.
Abschliessend einige Passagen aus "Lust, Angst und Provokation, Homosexualität in der Gesellschaft" von Helmut Puff und Wolfram Schneider-Lastin, 1993:
"Die Begriffe peccatum sodomiticum und ketzerie, heresis (…) werden von der Hochscholastik bis ins 19. Jahrhundert in erster Linie zur Kennzeichnung homosexueller Handlungen verwendet. (…) Zur Vermengung von 'Sodomie' und 'Häresie' (Ketzertum) kommt es, als im Zuge der Ketzerverfolgungen des 13. Jahrhunderts häretische Gruppen durch die Inquisition beschuldigt wurden, homosexuelle und andere 'widernatürliche' Praktiken auszuüben. (…) Die Stigmatisierung und Verdammung von gleichgeschlechtlicher Sexualität in Bussvorschriften, Predigten und Traktaten von den Kirchenvätern der Spätantike bis zur scholastischen Theologie lieferte der weltlichen Obrigkeit erst die ideologische Grundlage und Legitimation für ihr Handeln. (…) Erst die unselige Verbindung von kirchlicher Lehre und weltlichem Regiment bringt für die Homosexuellen die Gefährdung von Leib und Leben."
Zu den erwähnten Kirchenvätern zählten vor allem
Augustinus (354-430) und
Thomas von Aquin (1225-1274) mit ihrer rigiden Sicht der Sexualität:
"Da der Geschlechtsakt von Natur aus auf Zeugung und Fortpflanzung ausgerichtet ist, sind logischerweise alle sexuellen Akte, die dieses Ziel nicht erreichen, wider die Natur."
Darauf basierend zählte die sodomitische Sünde im Katechismus von
Petrus Canisius (1555) nebst Selbsttötung, Betrug und Unterdrückung der Armen zu den "vier himmelschreienden Sünden", welche die Rache Gottes auf die Menschen herabrufen.
"Sodomie" war schliesslich dermassen negativ besetzt, dass der Begriff zur Brandmarkung von Gegnern verwendet wurde (Andersgläubige, einer anderen Rasse oder Sprache Zugehörige).
Martin Luther (1483-1546) und weitere reformatorische Theologen beispielsweise gebrauchten den Begriff in ihrer Polemik gegen alles "Römische", indem sie gegen "sodomitische Welsche" wetterten, deren Oberhaupt der Papst sei. So beispielsweise Luther in:
"Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet".
Ernst Ostertag, Oktober 2005

