Bezeichnungen für Homosexuelle
… und Namen, die sie sich selber gaben
In mancherlei Beziehung aufschlussreich sind die Worte, die für homosexuelle Mitmenschen erfunden wurden. Sie sind hier in fünf Bereiche geordnet, was allerdings gewisse Überschneidungen mit sich bringt: Es gibt Ausdrücke, die zweimal genannt werden, während andere, von frühen Sexualforschern geprägte, sich noch schwerer unterscheiden lassen. Trotzdem kann nur eine Aufteilung den nötigen Überblick garantieren:
- Die oft derben Biertisch- oder Gassen-Ausdrücke des "gesunden Volksempfindens" ergeben amüsante Bilder von Denk- und Verhaltensweisen, in denen auch bewusste Abwehr eigenen Betroffenseins und nicht selten eine Portion Neid mitschwingt.
- Es gibt wissenschaftliche Versuche, dem Phänomen sachlich näher zu kommen, es aus der Geschichte zu begreifen oder es mit lateinischen oder griechischen Bezeichnungen zu klassifizieren. Diese wissenschaftlichen Wortschöpfungen gehen auf heterosexuelle wie homosexuelle Forscher zurück. Die letzteren erscheinen unter 5. "Selbstbezeichnungen".
- Von christlicher Tradition und Dogmatik her geschaffene be- oder verurteilende Ausdrücke und Konstruktionen werfen auch ein entlarvendes Licht auf ausgrenzende Denkweisen ihrer Erfinder.
- Je nach politischer Ideologie gefärbte Äusserungen sind oder waren bewusst diffamierend und wirkten sich oft lebensbedrohend aus. Gewisse von ihnen aus dem 20. Jahrhundert weisen auf eher amüsante Übereinstimmungen sich feindlich gegenüberstehender Ideologien hin und lassen Rückschlüsse auf das Hass-Potential der Erfinder zu.
- Die meisten träfen Worte fanden und finden jedoch die Homosexuellen selber, und dies auf allen Gebieten. Typisch für jede Ghetto-Kultur ist die scharfe Selbstironie. Sie trifft genau und gibt Aussenstehenden gute Aufschlüsse. Weil hier die Mehrzahl aller Ausdrücke erscheinen, sind sie unter dem Sammelbegriff "Selbstbezeichnungen" zeitlich in vier Abschnitte gegliedert worden.
Ernst Ostertag, August 2010

