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Verbrennung eines Männerpaares in Zürich

Altertum – Mittelalter – Neuzeit

Aus dem Verhörprotokoll

Reiterstandbild des Zürcher Bürgermeisters Hans Waldmann
Hans Waldmann 1435-1489

Zur Zeit des Bürgermeisters Hans Waldmann wurde der «ketzerritter» Richard Puller von Hohenburg zusammen mit seinem jungen Knecht Anton Mätzler am 24. September 1482 in Zürich bei lebendigem Leib verbrannt. Allerdings gab es dafür auch politische Gründe. Sie blieben aber im Hintergrund.

Die Verbrennung in Zürich von 1482
Verbrennung von Richard Puller von Hohenburg mit seinem Knecht Anton Mätzler in Zürich, 1482

Das Verhörprotokoll gibt an, dass es sich nach aussen um ein Dienstverhältnis handelte, welches aber, was erst unter Folter eingestanden wurde, in der Hauptsache eine auf Dauer angelegte sexuelle Liebesbeziehung war.

«so hab er Anthonyn Mätzler, der sin knecht gewesen verheisen und zugesagt, das er im gnüg geben und in nit verlasen und halten welle, als ob er sin kind were, das er in ghyen läse [sexuell mit ihm verkehre] […] und das er in ghyt hab in des Mosers badstuben, als vil und dick [oft] er das an denselben Anthony begert habe […] und das der Anthony den Richard trefflich lieb [gehabt habe].» Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[1]

Beschreibung in den Zeitschriften Menschenrecht und Kreis

Die schweizerische Zeitschrift Menschenrecht brachte in ihrer Oster-Ausgabe Nr. 6/1939 eine Zusammenstellung von Urteilen gegen Homosexuelle unter dem Titel «Ein Schicksalsweg durch fünf Jahrhunderte». Sie begann mit dem Untertitel «Feuertod»:

«Am 24. September 1482 wurde der Ritter Richard Puller, der letzte derer von Hohenburg, aus gutem Wasgauischen Adel, Wirich's II einziger Sohn mit seiner zweiten Frau Jutta von Schöneck, Oheim des Ritters Franz von Sickingen, wegen ‹Ketzerei› – in diesem Fall war das verbotener Geschlechtsverkehr mit seinem deshalb gleichfalls zum Feuertode verurteilten jungen Diener Anton Schärer [wohl ein Schreibfehler statt Mätzler] von Lindau – öffentlich hingerichtet. Mitleid verlangte er nicht, als ein Herold ihm die Ritterschaft abgekündigt, […]. Er gedachte kurz seines nicht aus Liebe, nur ihres Reichtums wegen erheirateten Weibes, der Sophia Böckin, einzigen Erbtochter des bereits verstorbenen Hans Konrad Bock, schwieg hierauf hartnäckig zu allen geistlichen Ermahnungen, berief seinen Hauptgegner, den Hauptmann Öffnet externen Link in neuem FensterHans Waldmann vor den Richtstuhl Gottes und bekannte […] ‹ein fehlender Mensch› gewesen zu sein, ohne seiner Leidenschaft für junge Männer als eine besondere Sünde Erwähnung zu tun. Der grausame Tod wurde ihm durch einen angebundenen Pulversack erleichtert.»

Als Quelle wurde angegeben «Aus einer alten Chronik».

Unter dem Titel «Aus einer alten Chronik» erschien derselbe Text leicht gekürzt im Sonderheft «Die Schweiz» des Kreis Nr. 9/1955 in Zierschrift mit Hintergrundzeichnung von Agathon. Die Seite daneben zeigte auf schwarzem Grund eine Zeichnung des Schweizers Urs Graf von 1514: einen zum Kampf eilenden Söldner mit Fahne, also eine andere Form des Opfergangs junger Männer.

Nach der Illustration in Diebold Schillings Chronik der Burgunderkriege, welche in der Zürcher Zentralbibliothek (ZB) aufbewahrt wird, fand die Verbrennung vor den Toren Zürichs statt. Dies wurde so gezeichnet und bemalt, um die Stadt in ihrem damaligen Aussehen mit ins Bild zu bekommen, womit auch des Lesens Unkundigen erklärt war, wo Delikt und Strafe stattgefunden hatten. Zudem erscheint das Wappen Zürichs über dem Stadttor. Die tatsächliche Verbrennung erfolgte jedoch mitten in der Stadt beim Fischmarkt an der Limmat. Heute befindet sich dort am Limmatquai, nordseits des Zunfthauses Rüden, ein Brunnen.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Oktober 2006