Kommentar aus heutiger Sicht

Die Gegenüberstellung der beiden Paare, jenes im Alten Ägypten zu jenem auf dem Zürcher Scheiterhaufen erfolgt bewusst, um den Gesinnungswandel hervorzuheben, der die gegenseitige Liebe zweier Männer vom anerkannten Status zum Geschehen machte, das die Kapitalstrafe bedingte.

Die folgenden Kapitel behandeln die lange Geschichte dieses Wandels. Dabei sollen nicht "Schuldige" benannt, sondern Gründe aufgezeigt und zunächst einmal Anfänge dieses Geschehens gesucht werden, das dazu führte, eine Form von Liebe, eine Form des Besten, was Menschen einander bieten und miteinander leben können, zum Geächteten, Ausgestossenen und als Sünde mit dem Tod zu Bestrafenden abzustempeln.

Ohne diese Katharsis, ohne dieses Hinabsteigen zu den Wurzeln des Hasses auf den gleichgeschlechtlichen Eros sind die vielfältigen Bemühungen zur Befreiung, die langen Kämpfe zur Schwulenemanzipation nur schwer nachvollziehbar.

Zudem: zur Beschäftigung mit Schwulengeschichte gehört auch ein Verständnis der tief verinnerlichten Distanz, Abwehr, Scheu und des Ekels einer Mehrheit der Heterosexuellen gegenüber homosexuellen Mitmenschen und ihrer Lebensform. Das Hinabsteigen hilft allen, auch sie sind Betroffene – wie die Schwulen. Den Prozess der Befreiung müssen auch sie bei sich selber nachvollziehen können.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag [1], August 2010