«An die Mitglieder!» des Schweizerischen Freundschafts-Verbandes (SFB)

Das Schweizerische Freundschafts-Banner und seine Organisationen

1933–1935

Am 15. April 1933 erschien die Zeitschrift «Schweizer Freundschafts-Banner» in Buchdruck und auf weissem Papier. Es wurde Aufbruch gefeiert und das Programm verkündet: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[1]

Titelblatt «Schweizerisches Freunschafts-Banner» 1934
«Schweizerisches Freundschafts-Banner» Titelblatt

Des Freundschafts-Banners Auferstehung

[…] Unser Ziel und unsere ideale Aufgabe besteht darin, unseren Artgenossen beiderlei Geschlechts nur gute Kost auf sauberer, schön geschmückter Tafel darzubieten. Unsere Zeitschrift soll zur sittlichen Hebung und Bildung, wie zur Unterhaltung unserer Clubmitglieder beitragen, dann aber soll sie auch all' den vielen unverstandenen und stillen Duldern von nah und fern Freude und Sonnenschein in ihr Leben tragen […].

Zur Neugründungs-Versammlung stand in derselben Ausgabe unter «Club-Nachrichten»:

«Am 4. April fand im Clublokal, dem Hotel-Variété ‹Sicher wie Jold›, im 1. Stock der Zusammenschluss unserer Damen und Herren zu einem einheitlichen Club statt. Nach einer orientierenden Einleitung durch die Präsidentin des Damenclubs wurden die neuen Statuten einer eingehenden Beratung unterzogen und alsdann in ihrer heutigen Fassung einstimmig angenommen. […] Durch den wiederholten Zusammenbruch der spez. Herrenklubs hat ein nur zu begreifliches Misstrauen in unseren Kreisen Platz gegriffen, auch uns sonst wohlgesinnte Aussenstehende haben heute nur ein skeptisches Lächeln, wenn von einem Klub geredet wird. Darum heisst es nun fest auf die Beine stehen und beweisen, dass wir diesmal wirklich Bestand haben.»

Auf «die Schwere der Zeit» wies Präsidentin Öffnet internen Link im aktuellen FensterAnna Vock mit dem Aufsatz hin: Zweck u. Ziel des «Schweiz. Freundschafts-Verbandes»: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[2]

«Gleichgeschlechtlich liebende Menschen, Männer wie Frauen (Homosexuelle) gab es zu allen Zeiten und wird es geben, so lange die Welt besteht. […] Gegen diese kleine Minderheit haben nun die meisten Länder Strafparagraphen in ihre Gesetze aufgenommen, immer vom Bestreben geleitet, diese Kategorie von Menschen zu unterdrücken und auszumerzen. Der Erfolg war überall ein negativer, was am besten das heutige Deutschland beweist. Trotz der vollständigen Unterdrückung gibt es dort keinen einzigen Homosexuellen weniger als früher. […] Der neueren und neuesten Zeit war es vorbehalten, an Hand eines reichen Tatsachenmaterials nachzuweisen, dass die Veranlagung zur Homosexualität angeboren und in den Naturgesetzen verankert ist, demzufolge eine Ächtung oder gar Verfolgung dieser Menschen eine brutale Ungerechtigkeit ist und Menschenrecht und Christenpflicht direkt ins Gesicht schlägt. […]»

Unter dem Zwischentitel «Was ist nun der Zweck dieser Organisation?» fuhr sie fort:

«Vor allem der Zusammenschluss aller gutgesinnten und moralisch einwandfreien Männer und Frauen. […] Als ersten Programmpunkt unserer Statuten bekämpfen wir sodann die Prostitution in jeder Form. […] Unsere Mitglieder haben die strenge Pflicht, die bekannten ‹Fleischmärkte› zu meiden und damit beizutragen, diesen ‹Schandfleck› zum Verschwinden zu bringen. […] Wenn irgendwo der Begriff ‹Freundschaft› in des Wortes tiefster Bedeutung und bis zur letzten Konsequenz in Wirklichkeit und Wesen zu finden ist, dann soll sie in erster Linie bei uns Artgenossen zu finden sein, da sie Leib und Seele umfasst.»

Aus dem letzten Abschnitt «Und nun das Ziel unseres Verbandes»:

«[…] Wir wollen keine Sonderrechte, uns auch niemals auf unsere Veranlagung etwas einbilden, denn das wäre grotesk. Was wir wollen, das ist die Anerkennung unserer Art und das Recht auf unsere Liebe, so wie wir nun einmal veranlagt sind, ohne deshalb befürchten zu müssen, in den Fussangeln veralteter Gesetze hängen zu bleiben. […] Wir erstreben die allgemeine Achtung und Respektierung unserer Artgenossen, gehören sie nun dem Arbeiterstande oder höheren Berufen an. Kein Lehrer, Beamter oder Angestellter soll geächtet oder in seinem Amte benachteiligt werden, deshalb, weil er homosexuell ist.»

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Juni 2004